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Blessing Bell

Koufuku No Kane. J 2002. R,B: Sabu. K: Masao Nakabori. S: Soichi Ueno. M: Yasuhisa Murase P: IMJ Corporation. D: Ren Osugi, Susumu Terajima, Naomi Nishida, Seijun Suzuki, Rieko Shinohara u.a.
Rapid Eye Movies ab 11.3.04

Stiller die Glocken nie klingen

Von Tamara Danicic Wenn die Produktion stillsteht, dann bleibt nichts mehr zu tun für den Arbeiter Igarashi, als ohne Ziel loszulaufen, die – eindrucksvoll fotographierte – marode Industrielandschaft hinter sich lassend. Die Firmenschließung: beschlossene Sache. Die Aussicht auf eine neue Stelle: mehr als mau. Mit der plötzlichen Funktionslosigkeit im Arbeitsprozeß scheint auch seine Stimme versiegt zu sein. So schreitet er stumm und mit ernster Mine los, als wäre die Welt eine überaus ernste Angelegenheit.

Es wird eine Reise voller Ereignisse, die ihn immer weiter hinaus ins Leben treiben. Doch bleibt Sabus Anti-Held keineswegs nur teilnahmsloser Spielball eines unvorhersehbaren Schicksals, wie man anfangs noch meinen möchte. Nein, er greift ein, engagiert sich, wenn auch nicht mit Worten oder Gesten. So wie seine Gesprächspartner – ein Yakuza, ein Mann, der den Liebhaber seiner Frau erstochen hat, der Geist eines alten Mannes – sein Schweigen akzeptieren, lernt man auch als Zuschauer, die Wortlosigkeit und selbst Momente der absoluten Tonlosigkeit zuzulassen. Solch eine Tour de force kann allerdings nur bei einem Schauspieler mit herausragender Präsenz gelingen. Und in dem fantastischen Gesicht von Terajima (der in Japan seit Takeshi Kitanos Sonatine zur Schauspielerelite zählt) lesen zu dürfen, ist schlicht ein Erlebnis.

Wer Sabu als Meister sich überschlagender, atemloser Ausbruchsfantasien wie Unlucky Monkey oder Monday kennt, wird vielleicht das Tempo in Blessing Bell als unerträglich langsam empfinden. Und wird dann völlig überrascht sein, wenn Igarishi zielstrebig den Rückweg antritt, bis zur Atemlosigkeit nach Hause rennt. Und erzählt. Seine Geschichte erzählt, die wie eine billige Lüge oder wie ein wundersames Märchen klingt. Vielleicht hat er aber auch nur begriffen, was ihm der Geist des Alten mit auf den Weg gegeben hat, daß man Glück nämlich nur dann kosten kann, wenn man nicht alleine ist. Und die »blessing bells« erklingen dazu… 1970-01-01 01:00

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