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Blade 2

USA/D/CZ 2002. R: Guillermo del Toro. B: David S. Goyer. K: Gabriel Beristain. S: Peter Amundson. M: Marco Beltrami. P: Amen Raua. D: Wesley Snipes, Thomas Kretschmann, Ron Perlman, Kris Kristofferson, Norman Reedus, Leonor Varela, Luke Goss, Donny Yen u.a.
117 Min. Warner ab 2.5.02

Sequelschlacht

Von Carsten Tritt Ich gebe zu, die Erinnerung an Blade habe ich weitestgehend verdrängt. Ich weiß noch, daß ich den Film in einer Liste als zweitschlechtesten Film 1998 aufgeführt habe – knapp geschlagen damals vom deutschen Beitrag Solo für Klarinette. Mit dem Titel Blade assoziiere ich dann noch schlecht beleuchtete Bilder vor modisch gestylter Kulisse, gewollt-und-nicht-gekonnte Kampfchoreographien, einen Helden mit innerem Pseudokonflikt und einen schlecht spielenden Udo Kier – ich glaube als Bösewicht. Jedenfalls hat mich seine Todesszene irgendwie an das Ende von Maximilian Schell in Das schwarze Loch erinnert. Alles in allem ein Film, der unheimlich gerne auf düster machen wollte und dabei so wirkte, als hätte sich Micky Maus zu Halloween als Bibi Blocksberg verkleidet.

Das Presseheft zu Blade II hat mir dann insofern auf die Sprünge geholfen, als es lang und breit die mir entfallene Szene am Ende von Teil Eins erläutert. In der jagt sich Kris Kristoffersons Charakter eine Kugel in den Kopf, was zwar im Off geschieht, aber trotzdem andeutet, daß er gestorben sein könnte. Ist er aber nicht, und das ist nicht etwa ein windiger Trick des Drehbuchautors, der mit Patrick Duffys Rückkehr in Dallas zu vergleichen ist. Wenn man dem Presseheft glauben möchte, war das vielmehr ein offenes Ende und vom Drehbuchautor so geplant, weil Blade von Anfang an als Trilogie gedacht gewesen sei.

Nun wird diese These freilich von der etwas uninspirierten Art und Weise, wie Kristofferson zu Beginn von Teil 2 ins Reich der Lebenden zurückgeholt wird, etwas erschüttert, und daß die Produzenten nach dem ersten Drittel der sogenannten Trilogie fast das ganze Team ausgewechselt haben – neben den Darstellern Snipes und Kristofferson ist einzig noch Autor Goyer übriggeblieben – mag den Vortrag des angeblich so geplanten Vorgehens auch nicht stützen.

Damit wäre ich dann auch endlich bei den positiven Aspekten des Films: Denn nachdem die alte Mannschaft zu genüge ihre Unfähigkeit unter Beweis gestellt hat, ist Blade II streckenweise sogar richtig gut. Das ist vor allem Regisseur del Toro zu verdanken. Es gelingt ihm, den morbiden Charakter des Handlungsortes Prag mit seinen naturfreien, in der Wende zum 20. Jahrhundert errichteten und nun verfallenden Straßenzügen, mit den Filmfiguren in Einklang zu bringen, und sich damit in die Tradition des europäischen Vampirfilms zu stellen. Auch die Kampfsequenzen sind nun auf höherem Niveau. Zwar mag auch Blade II nicht darauf verzichten, jeden Hieb mit einem »Wusch«-Geräusch zu hinterlegen – das galt vor circa zehn Jahren mal als cool, die Älteren werden sich erinnern, ist aber auf Dauer recht nervig – jedoch sind die asiatisch orientierten Martial Arts-Sequenzen nett choreographiert, und gegen Filmende zunehmend mit Wrestling-Elementen durchsetzt, deren Inszenierung die Amerikaner traditionell besser beherrschen, so daß ich mich schon frage, warum sie überhaupt dauernd auf die Idee kommen, den Hongkong-Film nachzuäffen. Die einzelnen Figuren sind für sich genommen immer noch uninteressant, sie verbünden sich aber dafür in lustige und zwiespältige Allianzen – zwischen Halbvampiren, Vampiren, Metavampiren und Otto Normalverbraucher – und geben so zumindest in der Gruppenbildung das angestrebte Bild ab. Seinem Helden gönnt der Film sogar noch eine traurig endende Liebesgeschichte mit der Tochter des Obervampirs. Del Toro beruft sich stark auf europäisch-amerikanische Filmwurzeln und zeigt, wie er sie beherrscht, auch James-Bond-typische Elemente werden endlich wieder sinnvoll verwandt. Sogar die Metzelsequenzen verbleiben nicht in langatmigem Blutgespritze, sondern erinnern sogar an den Feinschnitt der »Körperwelten«-Ausstellung.

Allerdings muß auch darauf verwiesen werden, daß bis auf Ron Perlman erneut keiner der Darsteller wirklich überzeugen kann, und auch das Drehbuch, abgesehen von den schon erwähnten positiven Aspekten, unterentwickelt bleibt. Insgesamt bietet Blade II schon einen wesentlichen Fortschritt gegenüber dem mißlungenen Vorgänger. Für den angekündigten dritten Teil ist aber eine erneute deutliche Steigerung notwendig. Kleine Anregung vielleicht: Die Produzenten könnten doch ins Auge fassen, die verbliebenen drei Teammitglieder – Goyer, Snipes und Kristofferson – auch noch zu feuern und deren Aufgaben nach Belieben von del Toro neu zu vergeben. 1970-01-01 01:00
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