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Blade Trinity

USA 2004. R,B: David S. Goyer. K: Gabriel Beristain. S: Howard E. Smith, Conrad Smart. M: Ramin Djawadi, The RZA. P: New Line Cinema u.a. D: Wesley Snipes, Jessica Biel, Parker Posey, Ryan Reynolds, Kris Kristofferson u.a.
113 Min. Warner ab 20.1.05

Trinity & Babaface

Von Carsten Tritt 2002 kam Blade 2 als Fortsetzung eines unterdurchschnittlichen Actionfilms in die Kinos und machte den leicht debilen Vorgänger fast vergessen – trotz schwachen Plots, mäßiger Darsteller und anderer kleiner Mängel. Die Qualitätssteigerung war vor allem zwei Leuten zu verdanken, dem Regisseur Guillermo del Toro und dem Kampfchoreografen Donnie Yen. Der Mexikaner und der Kantonese begnügten sich dabei seinerzeit nicht, asiatische Martial-Arts-Elemente nachzuahmen, wie es der den Schwertkampf nahelegende Titel assoziieren mochte, und wie es in den USA auch gerade populär war (Tiger & Dragon hatte im Vorjahr vier Oscars gewonnen). Vielmehr führten die beiden gleichberechtigt traditionelle amerikanische Kampfkunsttradition ein, orientierten sich zum Beispiel an Wrestling-Shows, die, verbunden mit der Könnerschaft Yens, als fulminantes Schwergewichts-Ballett inszeniert wurden.

Daß das hohe Niveau des zweiten Teils vor allem mit diesen Personen verbunden war, beweist nun Blade Trinity: Yen ist inzwischen längst nach Hongkong zurückgekehrt, Del Toro hat mit seinem Lieblingsschauspieler Ron Pearlman (in Blade 2 der Handlanger des Oberschurken und gleichzeitig der einzige überzeugende Darsteller) seine eigene Comic-Filmreihe Hellboy gestartet – und dazu die kompetente Hälfte des Blade 2-Stuntteams gleich mitgenommen – während Blade 3 nun sogar noch weit hinter das Niveau des ersten Teils zurückfällt.

Es war nun sicher nicht die beste Idee, den Autor David S. Goyer, der schon bei seinen Drehbüchern zu Blade und Blade 2 nicht durch besondere Kompetenz auffiel, als Regisseur zu besetzen. Bereits die Führung der Darsteller ist miserabel, wobei sich die meisten Akteure allerdings sowieso in Routine oder Nichtstun flüchten. Die einzige Ausnahme stellt hier Parker Posey dar, die wohl alles gegeben hat, um die Regieanweisungen umzusetzen, allerdings dabei nicht berücksichtigt hat, daß ihre Rolle bereits im Buch völlig unsinnig und überzogen angelegt war. Letztlich kreiert Posey eine überzeugende Mischung von Businesswoman und Schlampe. Dabei wirkt sie neben den Darstellern, mit denen sie die meisten Szenen teilt – nämlich Dominic Purcell als Graf Dracula, der im wesentlichen versucht, ganz böse zu gucken, und einem gewissen »Triple H« – einem Ex-Wrestler mit der Statur eines Kühlschranks und der Mimik einer Geschirrspülmaschine – doch recht fehl am Platze.

Ganz schlimm wird es jedoch bei der Inszenierung der Actionsequenzen. Im wesentlichen beschränkt sich Goyer hierbei, wie es schlechte Actionregisseure gerne machen, auf bloße Erhöhung der Schnittfrequenz auf ein vermeintliches Maximum. Hinzu kommen noch ein paar Stilelemente, die Goyer für modisch chic hielt. So nutzte bereits Murnau in Nosferatu den Zeitraffereffekt zur Verfremdung des abfotographierten Kamerabildes ins Unheimliche. Genauso wirkt der Effekt bei Goyer, nur ohne Verfremdung und ohne Unheimlich: Aufnahmen von Wolken und Passanten, als ob man den Schnellvorlauf am Videorekorder gedrückt hätte.

Es geht aber noch schlimmer, z.B. mit völlig sinnlos eingesetztem Splitscreen. Dieses Mittel aus den 50ern und 60ern wird seit etwa zehn Jahren wieder gelegentlich im Actionbereich eingesetzt, z.B. auch im sehr schönen Kill Bill: Volume 1, da hierdurch der geübte Filmemacher eine ausgefeilte Choreographie zusätzlich zu verwinkeln vermag und den Zuschauer zur vollen Konzentration auf das Filmwerk bei fortwährender Ausreizung der Grenze seiner Aufnahmefähigkeit bewegen kann. Bei Goyer sieht das mangels ausgefeilter Choreographie schlicht so aus, daß statt in einem Bild nun gleichzeitig in zwei Bildern sinnlos rumgeballert wird – quasi die Verdoppelung von Null.

Wenn es dann in den Nahkampf geht, sieht es ganz traurig aus. Zwar versucht Goyer mit seinem Stunt- und Special-Effekt-Team leidlich, bewährte Schlag- und Trittechniken – auch aus Blade 2 – nachzuäffen. Wenn man sich das Gezeigte jedoch in langsamerem Tempo und mit weniger Zwischenschnitten vorstellt, bleibt nicht viel mehr als die Martial-Arts-Sequenzen der Three Stooges.

Blade Trinity ist letztlich ein äußerst peinliches Werk, das auf der Suche nach der ultimativen Coolness in etwa so wirkt wie Donald Duck mit Sonnenbrille. Leider reicht aber auch diese unfreiwillige Komik nicht aus, um Goyers Film über fast zwei Stunden zu tragen. 1970-01-01 01:00
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