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Black Moon

F/D 1975. R: Louis Malle. B: Louis Malle, Ghislain Uhry. K: Sven Nykvist. D: Cathryn Harrison, Therese Giehse, Joe Dallesandro u.a.
100 Min. Vision ab 9.7.98
Von Mark Stöhr Es beginnt damit, daß ein Dachs auf offener Straße von einem Auto überfahren wird. Das Mädchen am Steuer ist auf der Flucht vor einem erbarmungslosen Bürgerkrieg zwischen Männern und Frauen. Standrechtliche Erschießungen am Straßenrand, ausgebrannte Autowracks, bestialisch zugerichtete Menschenleichen inmitten einer archaischen Landschaft zwischen Idylle und Einöde.

Der jahrtausendealte, mythologische Geschlechterkampf hat aufgerüstet und ist mit Hilfe moderner Waffentechnik in der bedingungslosen gegenseitigen Vernichtung kulminiert. Auf ihrem Parforceritt trifft das Mädchen immer wieder auf Zeugen eines vorgeschichtlichen, paradiesischen Friedens – auf ein Einhorn, auf eine Herde Schafe – doch das Paradies hat seine Unschuld schon lange verloren und der Hirte sich an einem Baum erhängt. Am Ende nimmt sie Zuflucht in einem einsam gelegenen, märchenhaft erscheinenden Haus, ihre Reise scheint endlich ein versöhnliches Ende gefunden zu haben, doch dies ist nur der Beginn eines neuen Wahnsinns zwischen LSD-Halluzinationen und Lewis Carroll. Denn dort wohnt eine alte Frau, die von endlos vielen Weckern am Sterben gehindert und von ihrer Tochter noch gestillt wird.

Ihre Vertraute ist eine Ratte, mit der sie in einer Geheimsprache über dies und jenes kauderwelscht. Katzen spielen Klavier, Blumen weinen, wenn man auf sie tritt, und nackte Kinder toben mit einem riesengroßen Schwein durch die Gegend. Und immer wieder erscheint das Einhorn als Reminiszenz an glückliche Menschheitstage. Wird es dem Mädchen den Weg weisen aus diesem schwarzen Wunderland?

Louis Malles metaphorischer Einfallsreichtum ist frappierend und schafft eine psychedelische Neufassung des Alicemotives mit einem riesigen Assoziationsspektrum, das die gesamte Menschheitsgeschichte umfaßt. Doch schnell merkt man, daß man das alles gar nicht als logisches Ganzes verstehen muß, und so weicht die anfängliche interpretatorische Verkrampfung einem ungetrübten, durch Einnahme von Drogen vielleicht noch größeren, sinnlichen Genuß. Black Moon ist ursprünglich von 1975 und erscheint nun in deutscher Wiederaufführung. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #11.
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