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Black Hawk Down

USA 2001. R: Ridley Scott. B: Ken Nolan. K: Slavomir Idziak. S: Pietro Scalina. M: James Dooley, Mike Patton, Jeff Rona, Mel Wesson, Hans Zimmer. P: Columbia, Jerry Bruckheimer Films, Revolution Studios, Scott Free Productions. D: Josh Hartnett, Eric Bana, Tom Sizemore, Ewan McGregor, Sam Shepard, William Fichtner u.a.
144 Min. Senator ab 10.10.02
Von Dietrich Brüggemann Der Krieg ist wieder da. Und mit ihm der Kriegsfilm. Nicht der politisch korrekte Anti-und-trotzdem-Kriegsfilm, sondern die volle Breitseite: zwei Stunden Gemetzel.

Natürlich nach einer wahren Begebenheit. Ein Routineeinsatz, der im Jahre 1993 in Mogadishu, Somalia, ganz fürchterlich schief ging: Zwei amerikanische Kampfhubschrauber wurden über feindlichem Stadtgebiet abgeschossen. Neunzehn Soldaten starben. Die Toten unter den Somalis konnten nur geschätzt werden.

Der Produzent Jerry Bruckheimer fand in dieser Begebenheit den idealen Stoff für einen Film, der die Gewaltverherrlichung auf eine neue Stufe hebt. Waren die bisherigen Bruckheimer-Filme erträglich durch eine Grundhaltung, die eher dem Kasperltheater als der Illusion von Realität verwandt schien, so gibt sich Black Hawk Down hemmungslos naturalistisch, verliert sich in einem immer abstrakter werdenden Dauermassaker und wird spätestens durch den moralischen Heldenverehrungsgestus obszön und unerträglich. Er feiert die US-Elitesoldaten, die mit ihrem ehernen Prinzip, nie einen Mann, ob tot oder lebendig, dem Feind zu überlassen, die Katastrophe erst heraufbeschworen, völlig fraglos als moralische Sieger, während die Gegenseite ein schwarzer Mob bleibt.

Aber Black Hawk Down funktioniert vor allem als Film nicht. Die bewährten Rezepte, nach denen Hollywood seine Erfolge strickt, werden noch vor dem Vorspann erschossen. Es gibt eine Unzahl von Protagonisten, die sich durch Uniformen und Kurzhaarschnitte wie ein Ei dem anderen gleichen. Auch an der Stimme hat der Betrachter keine Chance der Unterscheidung, da alle ständig schreien. Es ist völlig egal, ob Josh Hartnett oder Ewan McGregor oder sonst irgendwer durch den Staub rennt und in eine formlose Masse aus schwarzen Komparsen hineinballert. Keine Identifikation, keine Emotion, nichts von dem, was Hollywood sonst so gerne hat. Die dramaturgische Struktur löst sich auf in konfusen Kampfhandlungen, man weiß nicht, wem man gerade wobei zusieht, und will es auch nicht wissen.

Vermutlich ist diese Schwäche Absicht. Ridley Scott weiß, was er tut, Black Hawk Down ist kein schlechter Film im alten Sinne des Wortes; er ist mit nicht zu überbietender Perfektion inszeniert. Konsequent knüpft er dort an, wo Spielberg bei Saving Private Ryan nach einer halben Stunde aufgehört hatte, und macht nach demselben Prinzip einen ganzen Film, der den Zuschauer mit allen Mitteln des Überwältigungskinos mitten ins Schlachtfeld schleudert. Wo Spielberg seinen moralischen Heroengestus aber nach dem experimentellen Anfang dann doch noch aus einer klassisch gebauten Geschichte bezog, geht Scott einen Schritt weiter und mischt den Hyperrealismus mit naiver Heldenverehrung, die nicht einer Geschichte entspringt, sondern in jedem Moment, aus jeder Handlung, jedem Wort überdeutlich zu uns spricht. Alles zielt auf die Installierung der Protagonisten als modellhafte Idealgestalten – so überlebensgroß, daß ihnen jeder individuelle Zug, jeder private Moment verwehrt bleibt. Die Mischung aus Naturalismus und Sprechblasenrhetorik, die so entsteht, ist zumindest für uns Europäer nicht zu ertragen.

Black Hawk Down funktioniert allenfalls als unfreiwilliges Lehrstück. Er entlarvt jede Beteuerung, man könne im Krieg zwischen Militär und Zivilbevölkerung unterscheiden, letztere eventuell verschonen, als nackte Lüge. Will man sonst etwas fürs Leben daraus lernen, bieten sich in erster Linie die drei möglichen Grußformeln an, mit denen ein Soldatenleben enden kann. Sie lauten im Film, je nach Alter und Familienstand des Sterbenden:

»Sagt meinen Eltern, daß ich tapfer gekämpft habe. Sagt meiner Frau, daß ich sie liebe. Sagt meinen Kindern, daß es mir gut geht.«

Danach noch ein passendes Schlußwort zu finden, ist gar nicht so einfach. 1970-01-01 01:00

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