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Bis zum Horizont und weiter

D 1998. R: Peter Kahane. B: Oliver Bukowski. K: Gero Steffen. S: Birgit Bahr. M: Tamás Kahane. D: Wolfgang Stumph, Corinna Harfouch, Nina Petri, Heinrich Schafmeister, Sissi Perlinger u.a.
89 Min. Progress ab 28.1.99
Von Oliver Baumgarten »Das mit uns geht so tief rein, das darf nie zu Ende sein«, textete einst rührend Udo Lindenberg und besang einen Horizont, hinter dem es weitergehe, und sei es nur der neue Tag, der käme.

Im Braunkohle-Tagbaugebiet der Lausitz, einer gigantisch großflächigen Sandberg-Ödnis, dem leblosen Beweis menschlicher Naturokkupation, dort, wo selbst die Unendlichkeit menschlichen Ursprungs zu sein scheint, kämpft Henning Stahnke einen existentiellen Kampf um seine große Liebe Katja Pfeifer. Verzweifelt versucht er, das Unerreichbare zu überwinden und entführt Beate Nelken, die Etepetete-Richterin, die seine Katja eingelocht hat, um diese gegen sein Vollweib einzutauschen. Als Versteck wählt er sein Bauernhaus, das einsam am Rande der gottverlassenen Sandwüste als Außenposten stolz die Werte der Zivilisation hochhält. Während Frau Richterin, von so viel Authentizität beeindruckt, die Schnepfenmentalität ablegt, gelingt Katja die Flucht und der Polizei die Ermittlung des Geiselnehmers.

Alles läuft auf einen Showdown in jener Endzeit-Landschaft hinaus, doch ein Ende der Geschichte wird es nicht geben, denn, das verspricht nicht nur Udo Lindenberg, »hinterm Horizont geht's weiter«.

Nach dem Begrüßungsfilm Go, Trabi, Go, bei dem jedem halbwegs Kultivierten vor Fassungslosigkeit das Winkelement aus den Händen glitt, und zahlreichen akzeptablen TV-Filmen, scheint nun endlich der deutsche Osten als Schauplatz eigener Filmgeschichten entdeckt zu sein. Regisseur Peter Kahane zauberte aus einem gänzlich unspektakulären Drehbuch einen sympathischen kleinen Film, dessen wichtigste Nebenrolle die unglaubliche Landschaft der Lausitz übernimmt. Allein die Natur(?)aufnahmen des Knockin' on Heaven's Door-Kameramannes Gero Steffen übernehmen auf der Bildebene Funktionen, für die ein herkömmliches Sozialdrama seitenweise Text benötigte. So aber konzentrierten sich die namhaften Darsteller auf die Entwicklung ihrer Charaktere, und selbst Wolfgang Stumph, ein großartiger Kabarettist, aber für mich als Schauspieler bisher nicht überzeugend, liefert eine ehrliche, anrührende Leistung. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #13.
© 2012, Schnitt Online

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