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Bin ich sexy?

D 2004. R: Katinka Feistl. B: Sabine Brodersen. K: Daniela Knapp. S: Tina Freitag, Doreen Krambeer. M: Moritz Denis, Eike Hosenfeld. P: Maran Film, ZDF/Das kleine Fernsehspiel. D: Marie-Luise Schramm, Birge Schade, Johanna Fritz, Ismail Streit, Andreas Schmidt, Dietz-Werner Steck u.a.
89 Min. Arsenal ab 23 6.05

Das Model

Von Frank Brenner Filme, die in Koproduktion mit dem »ZDF – Das kleine Fernsehspiel« entstehen, sind mittlerweile viel häufiger ein Synonym für großes, gekonnt inszeniertes Kino geworden, als es der Name eigentlich vermuten läßt. Vielleicht kommen deswegen solche Filme in letzter Zeit auch immer häufiger ins Kino, bevor sie am angestammten Platz im Abend- oder Nachtprogramm des Zweiten Deutschen Fernsehens ihre Premiere auf dem Flimmerkasten erleben. Auch Katinka Feistls Langspielfilmdebüt Bin ich sexy? wurde als Teil der ZDF-Reihe mitfinanziert und stellt alles andere als ein lediglich auf Kinoformat aufgeblasenes Fernsehfilmchen dar.

Mareike hat sich zum Ziel gesetzt, Model zu werden. In ihrer Freizeit übt sie schon kräftig für das harte Los, wirft sich immer wieder in Schale, läßt sich von ihrer besten Freundin ablichten, probiert neue Frisuren aus und experimentiert mit Make-up. Doch Mareike ist nicht die klassische Schönheit – sie ist dicklich und entspricht eigentlich eher dem Typ des guten Kumpels. Mit ihrer Mutter Jutta, die nach dem Tod von Mareikes Stiefvater ihre drei Kinder alleine großzieht, gerät Mareike wegen ihres Berufswunsches immer häufiger aneinander. Juttas Nervenkostüm ist nach dem Tod ihres zweiten Mannes nämlich ebenfalls sehr angespannt, was sie auch skeptisch macht gegenüber der Avancen ihres Arbeitskollegen.

Die Filmhochschulabsolventin Katinka Feistl, die für Bin ich sexy? im vergangenen Jahr mit dem Euregio-Filmpreis ausgezeichnet wurde, offenbart in ihrem Erstlingsfilm ein exzellentes Gespür für Timing, Figurenzeichnung und Dramaturgie. Auch wenn das Drehbuch von Sabine Brodersen auf den ersten Blick etwas zu überladen wirkt, gelingt es Feistl, die Essenz der Geschichte herauszufiltern und die Zuschauer auf die unterschiedlichen Probleme der Beteiligten emotional einzustimmen. Leider muß einmal mehr konstatiert werden, daß Kinderdarsteller hierzulande um einiges verkrampfter und unechter rüberkommen als Gleichaltrige in großen Hollywoodproduktionen. Die Amerikaner scheinen hier beim Coaching ein goldenes Händchen zu besitzen – oder sind einfach wesentlich skrupelloser im Umgang mit ihren minderjährigen Mimen. Dieses Manko der beiden Filmgeschwister wird jedoch von der grandiosen Marie-Luise Schramm in der Rolle Mareikes mehr als wettgemacht. Auch Birge Schade, die ihre Mutter Jutta verkörpert, setzt in der lohnenden Charakterrolle eindrucksvoll Akzente. Mit diesem Film empfiehlt sich Katinka Feistl als herausragende Regisseurin für weitere große Kinoproduktionen mit Herz, Verstand und Gefühl. 1970-01-01 01:00
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