Edward mit den Fabelwesen
Von Thomas Waitz
William Blooms Vater Edward ist das, was man einen Kauz nennt: Jedes Stichwort nimmt der alte Mann zum Anlaß, reichlich fantastische Anekdoten aus seinem Leben zum Besten zu geben. William mag sie nicht mehr hören, glauben will er sie schon lange nicht mehr. Viel eher beschäftigt ihn die Frage, was für ein Mensch sein Vater denn nun wirklich war. Der liegt auf dem Sterbebett, und die Gelegenheit, eine Antwort zu erhalten, schwindet zusehends.
In Form einer gefälligen Nummernrevue aus Rückblenden tritt der Film ein in die mythische Welt des Vaters, eine Welt, in der es von unglaublichen Begebenheiten, seltsamen Fabelwesen und Märchenfiguren nur so wimmelt. Was mag sich tatsächlich so zugetragen haben, was ist Erfindung? Am Ende des Films ist diese Unterscheidung, so legt zumindest Big Fish nahe, tatsächlich bedeutungslos.
Tim Burton wird mit großer Regelmäßigkeit das Etikett angehaftet, einer der kreativsten Regisseure Hollywoods zu sein – was allerdings in erster Linie eine Aussage über Hollywood und weniger eine über Burton darstellt. Mit Big Fish hat er nicht nur einen Film gemacht, mit dem er zu seinen erzählerischen Ursprüngen zurückkehrt, sondern auch einen, der wie eine Parabel über das Filmemachen selbst gelesen werden kann.
Ein Filmemachen, das sich in erster Linie über die Narration stimmiger, geschlossener Geschichten und die Schauwerte »großen Kinos« definiert, inklusive eines Versatzstückes, wie es etwa der Vater-Sohn-Konflikt darstellt, und das halbwegs aus der Mode gekommen und antiquiert wirkt. Manchmal mag so eine Reminiszenz ja ganz schön sein, in diesem Fall ist alles ein wenig bieder, auch wenn – oder gerade weil – handwerklich Perfektion herrscht.