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Bierfest

Beerfest. USA 2006. R,B,D: Jay Chandrasekhar. B,D: Kevin Heffman, Steve Lemme, Paul Soter, Erik Stolhanske. K: Frank G. DeMarco. S: Lee Haxall. M: Nathan Barr. P: Warner Bros, Gerber Pictures, Legendary Pictures u.a. D: Jürgen Prochnow, Ralf Moeller, Cloris Leachman, Donald Sutherland u.a.
111 Min. Warner ab 28.9.06

Tetrapack

Von Carsten Tritt Film muß nicht immer nur leichte Unterhaltung sein, bietet er doch die Möglichkeit, fremde Kulturen und unbekannte Welten zu entdecken: Ob fußballspielende Mönche in Tibet, Bizet-Opern in südafrikanischen Townships oder nun trinkbegeisterte Nordamerikaner.

Die Einwohner der USA können bekanntlich nicht einmal ein Weizen von einem Altbier unterscheiden, und bezeichnen somit auch alles, was flüssig ist, Alkohol enthält und im Farbspektrum zwischen gelb-braun und schwarz liegt, als »beer«. Fünf Amerikaner, dargestellt von den Mitgliedern der in den USA beliebten Komödianten-Truppe »Broken Lizzard«, wollen nun zum »Beerfest« nach Deutschland reisen, um dort einen internationalen Trinkwettbewerb zu gewinnen und somit den toten Großvater der zwei Anführer der Gruppe zu rächen. Die Handlung orientiert sich hier an den bewährten Mustern des amerikanischen Sportfilms, faßt somit das monatelange Training zusammen, zeigt aufbrechende Konflikte innerhalb der Gruppe und betont die Rivalität zu den natürlich antagonistisch angelegten deutschen Gegnern (übrigens in einer wunderschönen Hommage an das Deutschlandbild im Kino der 60er, das mit Filmen wie Those Magnificent Men in Their Flying Machines or How I Flew from London to Paris in 25 hours 11 minutes zur nie wieder erreichten Blüte gelangte).

Bereits in der rudimentär noch vorhandenen Handlung zeigt sich, daß es sich bei den USA um ein Bierentwicklungsland handelt. Für Deutschland als die weltweit führende Bierkultur ist das Trinken selbst bereits Zweck genug. »Deutsch sein heißt (der Deutsche weiß es), Dinge um ihrer selbst willen tun«, meinte schon der für seine Trinkfestigkeit bekannte Erich Kästner. Allerdings wäre es auch unfair, Beerfest mit den großen, diese Werken des dieser Maxime verpflichteten deutschsprachigen Trinkerfilms wie DoppelPack, Herr Lehmann oder Drei Männer im Schnee zu vergleichen. Der Amerikaner ist halt noch nicht so weit, und man sollte sein Bemühen respektieren, wenn er nunmehr seine sicher leicht albernen Trinkspiele, die er vom sog. Spring Break her kennt, und die ebenso überreglementiert sind wie der amerikanische Fußball, als Rechtfertigung für seinen Alkoholkonsum heranziehen muß, und vermutet, daß es in anderen Ländern wohl schon genauso sein wird. Und man wird es dem Film sicher auch verzeihen, daß seine Schauspieler eben nicht in der Lage sind, ein Bier auch ordentlich auf Ex zu trinken, was dann zumeist mit einem Zwischenschnitt kaschiert werden muß.

Im weiteren Verlauf wird sogar auf CGI-animiertes Bier zurückgegriffen, das sicher auch nicht schlechter schmecken dürfte als das komische Zeug, daß in den Stadien der vergangenen Fußball-WM ausgeschenkt wurde.

Beerfest ist kein ganz großer Wurf geworden, aber das war auch nicht zu erwarten, da den Filmemachern hierzu sicherlich der ausreichende kulturelle Hintergrund fehlt – der Trinkerfilm ist schließlich, von den Werken Aki Kaurismäkis vielleicht mal abgesehen, immer noch eine rein deutsche Domäne. Selbst der einzige in Beerfest gelegentlich zitierte deutsche Film, Wolfgang Petersens Das Boot, bietet ja bereits schon als Eröffnungssequenz ein großartiges Saufgelage, mit dem Beerfest natürlich in keiner Minute mithalten kann. Aber Beerfest ist sicherlich eine kleine, sympathische Komödie aus einem in Sachen Bierkultur exotischen Land. Es geht schon zu Herzen, die sicherlich amateurhafte, doch durchaus verinnerlichte Begeisterung seiner Protagonisten mitzuerleben, in deren Bestrebung große Trinker zu werden, und man sollte dankbar sein, daß auch diesem Film die Möglichkeit gegeben wird, hier sein Programmkinopublikum zu finden. 1970-01-01 01:00
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