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Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen

D 2004. R: Franziska Buch. B: Elfie Donnelly. K: Axel Block. S: Barbara von Weitershausen. M: Enjott Schneider. P: Bavaria, Kiddinx, BR, Gustav Ehmck. D: Sidonie von Krosigk, Marie Luise Stahl, Corinna Harfouch, Katja Riemann, Ulrich Noethen, Edgar Selge, Monica Bleibtreu, Nina Petri u.a.
119 Min. Constantin ab 30.9.04

Bibi Potter

Von Frank Brenner Im Jahr 2002 gelang der Regisseurin Hermine Huntgeburth der erfolgreiche Transfer der beliebten Hörspielreihe um die Junghexe Bibi Blocksberg auf die große Leinwand: Mit mehr als zwei Millionen Zuschauern und Auszeichnungen wie dem Bayerischen Filmpreis konnte sich das Ergebnis im deutschen Vergleich sehen lassen und ebnete den Weg für diese Fortsetzung. Obwohl der erste Teil auf schwach-versöhnliche Weise endete, konnte er doch immerhin ansprechend unterhalten und ganz nebenbei einige kritische Aspekte in seine fantastische Geschichte einweben. Bei der nun in den Kinos anlaufenden Fortsetzung scheinen die Ansprüche an eine tiefgründige Story gesunken, dafür die an eine tricktechnische Achterbahnfahrt umso mehr in den Vordergrund gerückt zu sein. Bibis Schulnoten lassen zu wünschen übrig, und so wird die kleine Hexe von ihren Eltern auf ein Ferieninternat geschickt, wo sie ihre Schwächen in Mathematik aufpolieren soll. Die ins Gruselmoor verbannte böse Gegenspielerin der Blocksbergs, Hexe Rabia, kann aus ihrem Gefängnis entkommen und trachtet nun vor allen Dingen Bibi nach dem Leben, was deren Aufenthalt auf Schloß Altenberg alles andere als geruhsam und mathematisch lehrreich gestaltet.

Wer bei dieser kurzen Inhaltsangabe Parallelen zu Harry Potter und dessen sich mittlerweile über drei Filmkapitel erstreckenden Kampf gegen seinen bösen Widersacher Lord Voldemoort erkennt, hat erfaßt, welches Vorbild die Macher von Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen vor Augen hatten. Schon allein der Titel weckt Assoziationen, und wenn Enjott Schneider seinen beschwingten Soundtrack anstimmt, wähnt man sich schon fast in Harry Potter IV. Aber eben nur fast. Das erklärte Ziel, mit einer jungen Zauberin an den charismatischen Zauberlehrling aus der Feder von J.K. Rowling anzuknüpfen, kann bei weitem nicht erreicht werden. Auch wenn die Deutschen sich in Sachen digitaler Tricktechnik immer mehr zu ansehnlichen Handwerkern gemausert haben (siehe (T)Raumschiff Surprise oder der etwas untergegangene Back to Gaya), kranken die dazugehörigen Drehbücher allzu oft an Einfallslosigkeit und Stereotypen. Man spürt die Bemühungen, möglichst viele Handlungsstränge mit einem großen Geheimnis, das im Finale gelöst werden wird, zusammenzuführen und auf diese Weise ein ausgeklügeltes Drehbuch zu präsentieren. Allerdings hat man dabei vergessen, daß es zum Gelingen mehr bedarf als eines nach dem Regelwerk fürs Drehbuchschreiben gefertigten Szenarios. Selbst wenn man den Harry-Potter-Verfilmungen ebenfalls zu recht professionelle Routine unterstellen kann, darf man ihnen den gewissen Hauch der Mystik und ihre abenteuerliche Verspieltheit keinesfalls absprechen.

Diese zweite Bibi-Blocksberg-Zauberei beweist in ihrer Ausstattung zwar durchaus ebenfalls Einfallsreichtum und Raffinesse, bleibt in ihrer abenteuerlich gruseligen Story jedoch miefig-konventionell und wird wohl höchstens noch Kinder ansprechend unterhalten, die für Harry Potter noch zu klein sind. Allen anderen wird der Qualitätsunterschied, der sich in diesem Fall eben zu allem Überfluß auch noch in der Tricktechnik bemerkbar macht, allzu deutlich bewußt werden. Ein kleines Trostpflaster ist indes die wieder einmal vortrefflich aufgelegte Darstellerriege, von denen vor allem Corinna Harfouch in der Rolle der bösen Hexe erneut brillant zu Chargieren versteht. 1970-01-01 01:00
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