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Beyond the Sea

D/GB 2004. R,B,D: Kevin Spacey. B: Lewis Colick. K: Eduardo Serra. S: Trevor Waite. M: Christopher Slaski. P: Archer Street, Quality International, Trigger Street. D: Kate Bosworth, John Goodman, Bob Hoskins u.a.
120 Min. Solo Film ab 17.2.05

Karriere und Familie

Von Katja Spranz Viele von Bobby Darins Songs (wie »Mack the Knife« und »Beyond the Sea«) sind bekannt, er als Person weniger. Spacey wollte schon lange diesem Künstler huldigen. Gleich zu Anfang des Films taucht ein kleiner Junge auf, der sich als Bobby Darin im Kindesalter entpuppt. Im Rückblick wird sein Leben erzählt: aufgewachsen in der Bronx, Teenie-Idol mit zwanzig, verheiratet mit Sandra Dee, Oscar-Nominierung mit 28. Das Leben Darins, der für viele nach Sammy Davis Jr. der beste Entertainer des Landes war, hat alle Attribute für eine richtige Gassenhauer-Filmbiographie. Fast alle der swingenden Songs hat Spacey selbst gesungen; die Musik gibt dem Film das Tempo vor. Nach der Anfangsszene erwartet der Filmbiographie-kundige Zuschauer die klassische »Vom-umjubelten-Star-zum-einsamen-gefallenen Star«-Erzählkurve.

In der Tat beginnt die Geschichte über den Entertainer klassisch: Der Sänger stellt seine Karriere über das Privatleben, vernachlässigt Frau und Sohn. Die Ärzte hatten ihm wegen eines Herzfehlers höchstens fünfzehn Jahre gegeben, doch er stirbt »erst« mit 37 Jahren. Der Wettlauf mit der Zeit – symbolisiert durch eine Armbanduhr, die ihm der Onkel geschenkt hat – bestimmt sein ganzes Leben, das Streben nach Ruhm wird das Streben nach göttlicher Unsterblichkeit. Der Film überrascht in dem Moment, als die Krise des Künstlers beschrieben wird: Die Swing-Musik kommt aus der Mode, Bobby Darin mit ihr. Der Protagonist bricht aus und läßt sich in einem Wohnwagen an der Küste nieder. Er wird nicht als Opfer dargestellt, sondern als Künstler, der die Regeln des Showbiz kennt. Der verblaßte Star erfindet sich neu: Jetzt singt er Lieder gegen den Krieg – präsentiert wie klassische Vegas-Songs – die er einem konservativen Publikum nahebringt. Der Zwiespalt zwischen »böser Entertainmentbranche« und »guter Familie« wird differenzierter dargestellt, als man es von Filmen dieser Größenordung kennt. Darin ist in beiden Welten zu Hause und begegnet in beiden Freund und Feind. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.
© 2012, Schnitt Online

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