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Bernhard Wicki – Verstörung und eine Art von Poesie

D 2006. R,B: Elisabeth Wicki-Endriss. K: Franz Rath. P: Wicki Film, BR. Mit Maximilian Schell, Michael Mendl, Klaus Maria Brandauer u.a.
120 Min. Kinowelt ab 14.6.07

Der Bildermacher

Von Oliver Baumgarten Der deutsche Nachkriegsfilm hat ein herbes Imageproblem. Allein schon dem Wort haften pure Biederkeit und Langeweile an, dabei gibt es vor der Zeit des Neuen Deutschen Films auch aus heutiger Sicht jede Menge Spannendes zu entdecken. Zu den großen Dreien, die unbestritten anspruchsvolles und gutes Kino lieferten, gehört neben Staudte und Käutner eben auch Bernhard Wicki. Ein streitbarer Linker ist er gewesen, war als junger Mann Mitglied der Kommunistischen Partei und hat dafür im KZ Sachsenhausen einsitzen müssen. Nach seinem Regieerfolg von Die Brücke (1959) erlag er dem Ruf Hollywoods, drehte mit Brando und Brynner und bereute dies später ob all der künstlerischen Zugeständnisse, die er machen mußte. Sei es als »Bildermacher«, wie er sich selbst gerne bezeichnete, oder als Schauspieler: Wicki stand für eine kraftvolle Klarheit, die er immer wieder auch für politische und humanistische Botschaften einsetzte.

Seine Witwe Elisabeth Wicki-Endriss porträtiert nun jenen eigenwilligen Mann, dessen Gnadenlosigkeit im Streben nach Perfektion legendär ist, mit dem Blick einer Liebenden, der in einzelnen Momenten gar von solch privater Prägung ist, daß er fast Beschämung auslöst. Wickis Freund Maximilian Schell fungiert überdies als Erzähler einer Biographie, deren Teil er selbst geworden ist, und versucht – manchmal etwas märchenonkelartig – den Bogen zu schlagen vom Privaten hin zum Öffentlichen. Aus einem ungewöhnlich reichen Fundus von Interviewmaterial aus unterschiedlichen Epochen und Unmengen wunderbarer Filmausschnitte setzt sich dann eben dieses zweite Gesicht des Films zusammen, das Wicki filmhistorisch einzuordnen und filmästhetisch zu analysieren sucht. Daß sich Elisabeth Wicki-Endriss mit diesem Vorhaben, beides erzählen zu wollen, das Private wie das Öffentliche, streckenweise verhebt, ist gerade angesichts des schönen Materials durchaus zu verzeihen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.
© 2012, Schnitt Online

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