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Bella Martha

D 2000. R,B: Sandra Nettelbeck. K: Michael Bertl. S: Mona Bräuer. M: Keith Jarrett, Arvo Pärt, David Darling. P: Kinowelt. D: Martina Gedeck, Sergio Castellitto, August Zirner, Sibylle Canonica u.a.
107 Min. Ottfilm ab 18.4.02
Von Matthias Grimm »Warum kommen Sie eigentlich jede Woche zu mir?«, fragt ihr Psychiater zu Beginn des Films und hat damit Marthas Problem auf den Punkt gebracht: Sie hat eigentlich keines und selbst wenn, würde sie es sich selbst nie eingestehen. Zwar wird sie von ihrer Chefin als »verrückt« eingestuft, doch ist Martha wahrscheinlich nicht verrückter als es jede Frau von Geburt her ist.

Erst als ihre Schwester stirbt und als Folge dessen deren Tochter unfreiwillig zu Marthas Pflegekind wird, zudem ein Mann ihr ihren Arbeitsplatz scheinbar streitig macht, verdichten sich die Konflikte und die unterdrückte Unzufriedenheit mit ihrer Situation, ihrem Leben, dem Dasein an sich, bricht mit aller Wucht hervor, reißt Wunden auf, die vorher gekonnt ignoriert wurden.

Zu schnell möchte man Bella Martha in den Reigen der Frauenfilme einordnen, die mit Leichtigkeit die Widrigkeiten des Alltags zu meistern gedenken, stattdessen ist Schwermut das beherrschende Element, schmerzvolle Melancholie das Grundthema: ein schauspielerischer Kraftakt, durch welchen Martina Gedeck den gesamten Film schon im Alleingang trägt. Als zweiter Kunstgriff von Bella Martha erweist sich die Allegorie des Kochens, die Autorin Sandra Nettelbeck den gesamten Film durchziehen läßt, um die innere Befindlichkeit in eine abstrakte wie verständliche und doch appetitliche Sprache zu übersetzen. Die ganze Welt mit ihren Sorgen, Sehnsüchten und Hoffnungen ist in einer gut sortierten Vorratskammer zu finden, und selbst eine Meisterköchin wie Martha muß zunächst lernen, damit umzugehen. Gelegentlich rutscht der forcierte Tiefsinn dabei in Angestrengtheit und Banalität ab, doch, um sich der Metaphorik des Films zu bedienen: Bella Martha will Appetit machen. Nicht satt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #26.
© 2012, Schnitt Online

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