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Being Julia

Being Julia. CDN/GB/H 2004. R: István Szabó. B: Ronald Harwood. K: Lajos Koltai. S: Susan Shipton. M: Mychael Danna. P: Serendipity Point Films, First Choice Films, Hogarth Productions, Myriad Pictures. D: Annette Bening, Jeremy Irons, Bruce Greenwood, Miriam Margolyes, Juliet Stevenson u.a.
105 Min. Concorde ab 7.4.05

Alles nur Theater

Von Frank Brenner Der ungarische Regisseur István Szabó fühlt sich offensichtlich wohl dabei, in seinen Filmen vergangene Zeiten wieder Gestalt annehmen zu lassen. Seine in den 80er Jahren entstandene und nach ihrem gemeinsamen Hauptdarsteller benannte Brandauer-Trilogie (Mephisto, Oberst Redl, Hanussen) etablierte Szabó als meisterhaften Regisseur historischer Stoffe, denen er auch in seinen folgenden Arbeiten treu blieb. Filme wie The Taste of Sunshine und Taking Sides – Der Fall Furtwängler konnten allerdings die Popularität und den überwältigenden Erfolg seiner früheren Werke nicht mehr erreichen, obschon auch sie äußerst stilvoll inszeniert und vorzüglich gespielt sind. Mit Being Julia hat sich Szabó nun nach Mephisto zum zweiten Mal der Biographie eines Schauspielerlebens angenommen. Hier basieren die Vorkommnisse allerdings nicht auf tatsächlichen Begebenheiten, sondern entsprangen der Phantasie W. Somerset Maughams, der für den Film die Romanvorlage lieferte.

Julia Lambert steigt vor Beginn des Zweiten Weltkrieges in London zur beliebtesten Theaterschauspielerin auf, deren Namen allein das Publikum schon in Massen ins West End strömen läßt. Ihr Ehemann Michael Gosselyn ist der Regisseur ihrer Stücke, dem es mit Hilfe einer reichen Mäzenin gelungen ist, zu diesem Zweck sein eigenes Theater zu führen. Die Ehe zwischen dem Bühnenstar und ihrem körperbewußten Regisseur ist im Laufe der Zeit zu einer puren Zweckgemeinschaft verkommen. Als Julia der jugendliche amerikanische Verehrer Tom Fennel vorgestellt wird, läßt sich die Diva gerne auf eine Liaison mit dem halb so alten Mann ein. Doch als sich Tom zunehmend für ein aufstrebendes Starlet in seinem Alter zu interessieren beginnt, heckt die impulsive Julia einen teuflischen Plan aus, um sich als Londons beste Schauspielerin zu behaupten und auch privat ihr Gesicht zu wahren.

István Szabó setzt sich in seinem neuen Film mit dem spannenden Themenkomplex Wahrheit und Realität im Theatermilieu auseinander. In der ersten Szene sehen wir die noch junge Julia Lambert, zeitlos schön verkörpert von der Mittvierzigerin Annette Bening, wie sie von ihrem Lehrmeister Jimmy Langton in die Kniffe der Schauspielkunst eingewiesen wird. Nach einem Zeitsprung ist Julia die etablierte Bühnenpersönlichkeit und ihr Mentor bereits seit fünfzehn Jahren gestorben. Dennoch wird er im Laufe des Films immer wieder als nur für Julia sichtbarer Ratgeber seine Kommentare abgeben und die Mimin auch in privaten Belangen zum schauspielern animieren. Wenn die Grenzen zwischen Schein und Sein, zwischen Spielen und Fühlen immer mehr verwischen, entlockt Szabó seiner brillanten Hauptdarstellerin Annette Bening absolute Spitzenleistungen. Selbst die Zweifel Julias, die in gewissen Momenten selbst nicht mehr erkennt, was denn nun ihre wahren Gefühle sind und was nur gespielt ist, kann die überaus talentierte Bening, die dafür zu Recht mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde, glaubwürdig zum Ausdruck bringen. So schafft es Szabó hier einmal mehr, in erlesenen historischen Dekors zu schwelgen und sein Publikum mit herausragenden Darstellerleistungen zu beglücken. 1970-01-01 01:00
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