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Being John Malkovich

USA 1999. R: Spike Jonze. B: Charlie Kaufman. K: Lance Acord. M: Carter Burwell. S: Eric Zumbrunnen. P: Single Cell. D: John Cusack, Cameron Diaz, Catherine Keener, John Malkovich u.a.
112 Min. UIP ab 4.5.00

Kopfkino

Von Ralf Möller Wenn ehemalige Video- und Werbefilmer auf die große Leinwand umsteigen, behalten sie fast immer ihren visuellen Stil bei. Dies war sowohl bei den Scott-Brüdern in den 80ern der Fall als auch bei David Fincher oder Michael Bay in den 90ern. Spike Jonze ist hier keine Ausnahme. Doch er war nie ein Regisseur der schicken Oberflächen oder schnellen Schnitte. Seine Clips lassen sich nicht kategorisieren. So ist ihm auf der einen Seite mit dem Video zu Björks »It's oh so Quiet« eine wunderschöne Hommage an Jacques Demys Les parapluies de Cherbourg gelungen. Auf der anderen Seite scheinen es ihm aber auch die 70er Jahre angetan zu haben, er läßt den Fonz in Buddy Holly von Weezer wieder aufleben und adelt Serien wie Starsky and Hutch in seinem preisgekrönten Clip-Meisterwerk zu »Sabotage« von den Beastie Boys.

Auch Jonzes Regiedebüt Being John Malkovich läßt sich in keine Schublade stecken. Sein größter Vorzug ist das brillante Drehbuch von Charlie Kaufman. Die Idee, einen Zugang zu John Malkovichs Gehirn zu finden, um nach 15 Minuten am New Jersey Turnpike wieder auf den Boden zu knallen, gehört nicht nur zum Originellsten und Verrücktesten, was in den letzten Jahren aus Hollywood kam. Kaufman hat nicht nur ein reichlich verschrobenes, sondern auch ein absolut schlüssiges Drehbuch geschrieben. Und Spike Jonze schafft es, eine wunderbare Balance zwischen Komik und Tragik zu finden. Was natürlich auch an seinen hervorragenden Darstellern liegt, die im Fall von Cameron Diaz Mut zur Häßlichkeit beweisen und im Fall von John Malkovich sich manchmal selbst nicht ernst nehmen. Wer immer noch glaubt, American Beauty sei das frischeste Stück amerikanischen Kinos der letzten Jahre, sollte sich Being John Malkovich anschauen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #18.
© 2012, Schnitt Online

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