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Behind the Couch – Casting in Hollywood

D 2005. R,B: Veit Helmer. K: Bendar Al Bashir. S: Vincent Assmann. M: Johannes Koeniger. P: Veit Helmer Filmproduktion.
70 Min. GMfilms ab 2.11.06

Making of Casting

Von Thomas Warnecke Eine Casting-Agentin wird ausgewählt, also quasi selbst gecastet, um den Cast eines demnächst zu drehenden Films zu casten.

Eine junge Schauspielerin aus Singapur kommt in Los Angels an und gibt zu Protokoll, daß sie wohl erst eine Nebenrolle mit entsprechendem Nebenrollenoscargewinn akzeptieren müsse, bevor Hauptrolle und Hauptoscar winken. Ihrer beider Wege, der Agentin und der asiatischen Leinwandhoffnung, sind die parallel verlaufenden und linear erzählten Handlungsstränge dieser Dokumentation. Kapitel für Kapitel hakt der Film die Stationen hin zur fertigen Besetzungsliste ab, unspektakulär zum Ziel führend bei der einen, zum Rückflug bei der anderen, in beiden Fällen ohne jeden Informationsgewinn.

Es fallen den zahlreich hinzugezogenen Hollywoodprofessionellen Sätze aus den Mündern, die so ähnlich auch aus sog. »Making Ofs« oder Presseverlautbarungen bekannt sind, vermeintlich gewichtige Zahlen und Fakten werden da genannt und behauptet, und insgesamt entsteht (immerhin) der Eindruck, ganz Hollywood sei nichts anderes als ein einziges Casting, was ja erstens an sich schon platt ist und zweitens schon deshalb stimmt, weil to cast z.B. wegwerfen und casting Berechnung heißen kann. Etwas konkreter geht es da zum Beispiel um den Headshot, was nicht etwa einen Kopfschuß meint, sondern schlicht ein Porträtfoto, das erstaunlicherweise ein ganz besonders wichtiger Bestandteil der Bewerbung sei, wobei es unter den im Film Befragten sozusagen zwei Lehrmeinungen gibt, deren eine besagt, es könne durchaus kräftig getürkt und retuschiert werden, das würde in den Filmen selbst ja auch gemacht, während die andere von jeglicher verfälschender Nachbearbeitung abrät, da die Übereinstimmung des Fotos mit der realen Person doch ganz großartig und so weiter. Alles nur geringfügig bedenkenswert und trotz des Ausmaßes, welches der Film mit den Zahlen und Fakten und vielen Einstellungen von zahlreichen ihre Headshots anpreisenden Fotoläden und den dazugehörigen digitalen Retuschierlaboren hervorhebt, nicht besonders außergewöhnlich, absurd, aber nicht so sehr, wie es Veit Helmer mit den wie eine Märchenmoral hintendrangehängten Aufnahmen von der Papierdeponie, in der die abertausenden Headshots und Drehbuchzusammenfassungen usw. landen und in einen großen Brei gerührt werden, vielleicht glauben machen will.

Vielleicht deshalb, weil über die genauen Motive für Behind the Couch, der genauso ironiefrei daherkommt wie die Asiatin mit ihren Oscarplänen, nur gerätselt werden kann. Vom Casting im engeren Sinne, also der Überlegung, wer sich beim Vorsprechen als geeignetster Kandidat für eine Rolle präsentiert hat, erfährt der Zuschauer von Behind the Couch weniger als der von Deutschland sucht den Superstar. Die Leinwandhoffnung aus Singapur darf übrigens auch vorsprechen, obwohl bei Half Life, um dessen Casting es in Behind the Couch geht, nur afroamerikanische Darstellerinnen benötigt werden, aber so hat sie mal die Erfahrung gemacht und Veit Helmer den kurzen Moment, an dem seine beiden Protagonistinnen sich beinahe begegnen. 1970-01-01 01:00

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