— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Das Begräbnis

The Funeral. USA 1996. R: Abel Ferrara. B: Nicholas St. John. K: Ken Kelsch. S: Mayn Lo, Bill Pankow. M: Joe Delia. D: Christopher Walken, Chris Penn, Vincent Gallo, Isabella Rossellini, Annabella Sciorra u.a.
99 Min. Kinowelt ab 10.10.96
Von Dirk Steinkühler »You have the choice«, macht Jean (Annabella Sciorra) ihrem Mann Ray (Christopher Walken) deutlich, dem ältesten Sohn eines italienischen Mafiaclans im New York der Prohibitionszeit. Sein Bruder Johnny (Vincent Gallo) wurde von einem Unbekannten kaltblütig erschossen, und die gesamte Familie trifft sich am Tag vor der Beerdigung in Rays Haus. Dort steht der Hausherr vor der Entscheidung, ob er dem Sterben endlich ein Ende setzen soll. Er grübelt über den Sinn und Unsinn von gewalttätiger Konfliktbewältigung zur Aufrechterhaltung von Ehre und Tradition nach. Hat wirklich der aalglatte und zwielichtige Gaspare (Benicio del Toro) Johnny auf dem Gewissen? Und wenn ja, bleibt Ray dann keine andere Wahl, als den Tod zu rächen?

In Das Begräbnis könnte sich die altbekannte Story zu einem geschwätzigen Pseudodrama entwickeln, doch Ferrara setzt sie atmosphärisch stimmungsvoll und mit überzeugenden Darstellern um. Zudem gefällt Kelschs Kameraarbeit, insbesondere, wenn er unterschwellige Spannung durch den Einsatz der Handkamera unterstützt. Ferrara taucht die Räume und Straßen in ein spärliches Licht und schafft ein düsteres Umfeld, in dem die einzige Frohnatur Johnny mit als erstes ins Gras beißen muß. Rays Schwager Chez (Chris Penn) bildet eine perfekte Symbiose aus liebenswerter Ausgelassenheit und reizbarem Zorn. Er und seine Frau Clara (Isabella Rossellini) leiden kräftig unter einander, und Jean schafft einen starken weiblichen Widerpart zu ihrem desillusionierten, zumeist trostlos blickenden Mann.

Doch diese Charaktere sind nicht neu, und dort liegt das Problem von Das Begräbnis. Die Zuschauer beschleicht das Gefühl, den Figuren bereits in einer Vielzahl von Genrefilmen begegnet zu sein. Ferrara wirkt diesem Eindruck wenig entgegen. Sein Film fördert über die gesamte Distanz eher das Desinteresse des Zuschauers. Etwas mehr Abwechslung hätte seiner bitteren Studie gut getan. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap