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Beautiful People

GB 1999. R,B: Jasmin Dizdar. K: Barry Ackroyd. S: Justin Krish. M: Garry Bell. P: Tall Stories. D: Charlotte Coleman, Charles Kay, Rosalind Ayres, Roger Sloman, Linda Bassett u.a.
107 Min. Ventura ab 5.10.00
Von Konrad Lischka Zwei Männer laufen durch London, reißen sich zu Boden, schlagen aufeinander ein, keuchen, rennen weiter, bleiben vor Erschöpfung stehen – schlagen wieder aufeinander ein. Absurd. Lustig. Drei Hooligans prügeln einen Schwarzen zu Boden, rauben sein Geld, um zur WM in die Niederlande zu fliegen. Nicht mehr lustig.

Beautiful People stellt einen bisweilen Soap-artigen Plot samt ebensolcher Gags neben die Absurdität von Gewalt und Haß. Der britische Film erzählt die Geschichte von einem Dutzend Menschen, die 1994 zwischen Fußballweltmeisterschaft und Bosnienkrieg in London leben. Im Robert-Altman-Stil zieht der Film immer engere Kreise um seine Figuren und um Rassenhaß und Gewalt.

Die zwei Schläger liegen im Krankenhaus – im selben Zimmer mit einem Walisen, der sich erhebliche Verletzungen beim Test eines Zünders für den walisischen Freiheitskampf zuzog. Selbst er kann die beiden nicht auseinanderhalten. Die Schwester fragt, wer nun Serbe und wer Kroate ist. Sie wird es nie herausfinden, weil beide sich sogleich gegenseitig als Faschisten beschimpfen. Der walisische Freiheitskämpfer schaut verdattert. Der Hooligan wankt auf Heroin zum Flugzeug gen Niederlande, landet aber auf dem militärischen Teil des Flughafens, bleibt auf einem Packen Hilfsgüter für Bosnien liegen. Als er vom Trip erwacht, hat ihn ein Nato-Flugzeug samt Konserven abgeworfen. Man lacht, bis eine Frau vor seinen Augen erschossen wird, er in einem Notlazarett sieht – und vor allem hört – wie ein Bein amputiert wird.

Je deutlicher die Grausamkeit wird, je näher man dem eigentlich absurden Kern des Hasses kommt, desto mehr will man lachen. Die aufsteigende Verzweiflung, ähnlich der in Kitano-Filmen, wird nicht durch Sarkasmus, sondern durch die Soap-artige Entwicklung der Charaktere aufgefangen. Der Hooligan pflegt Flüchtlinge, ein rechter Politiker feiert mit seinem neuen Schwiegersohn, einem bosnischen Flüchtling, im Krankenhaus spielen die drei Freiheitskämpfer zusammen Karten. Alltägliche Bilder, die nach der Vorgeschichte ebenso irreal wie erlösend wirken.

Und dann fängt während einer Feier ein Mensch zu erzählen an, wie er Frauen und Kinder erschoß. Das letzte Bild friert eine Armbewegung ein, die bis dahin eine freundschaftliche Umarmung zu sein schien. Doch jetzt ist eine Faust zu sehen. Aus Beautiful People ging ich seltsam unbefriedigt hinaus, und das war ein gutes Gefühl. 1970-01-01 01:00
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