— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Beautiful Boxer

T 2003. R,B: Ekachai Uekrongtham. B: Desmond Sim. K: Choochart Nantitanyatada. S: Dusanee Puinongpho. M: Amornbhong Methakunavudh. P: GMM Pictures, Spicy Apple Films. D: Asanee Suwan, Sorapong Chatree, Orn-Anong Panyawong u.a.
118 Min. MFA ab 25.8.05

Rocky mit Mascara

Von Frank Brenner Kurz bevor Ron Howards Das Comeback – Für eine zweite Chance ist es nie zu spät über das Leben des Profiboxers Jim Braddock in unsere Kinos kommt, haben die Zuschauer hierzulande die Gelegenheit, ein viel ungewöhnlicheres Biopic über das wahre Leben eines Boxers zu sehen, das bereits im vergangenen Jahr auf der Berlinale Aufmerksamkeit erregte. Ekachai Uekrongthams Film tritt den Beweis an, daß das Klischee vom harten, männlichen Boxer durchaus nicht unumgänglich ist, und hat mit Beautiful Boxer einen Film inszeniert, der auch Menschen begeistern kann, die sich eigentlich überhaupt nicht für brutale Kloppereien interessieren.

Nong Toom, ein Junge aus einer ärmlichen thailändischen Familie, entdeckt schon früh seine Vorliebe für Frauenkleider und weibliche Accessoires, was den Mißmut seines Vaters, aber auch das Verständnis seiner Mutter erregt. Aufgrund der ständigen Geldknappheit seiner Familie nutzt Toom aber auch die Gunst der Stunde, als er sich durch einen Thai-Boxkampf schnell eine ganze Menge Geld verdienen kann. Er entdeckt sein Talent, das von einem ehrgeizigen Trainer gefördert wird, kann aber seine weiblichen Anteile immer weniger verstecken und wird so zum ersten kickboxenden Transvestiten Asiens. Seine Preisgelder spart sich Toom für den letzten Schritt zu seinem Lebenstraum: seiner Geschlechtsumwandlung.

Die seltsame, sehr ungewöhnlich anmutende Geschichte von Beautiful Boxer basiert auf dem Leben des berühmten Kickboxstars Parinya Charoenphol, der sich nach einer erfolgreichen Boxkarriere mittlerweile einer Operation unterzogen hat und nun eine anerkannte Schauspielerin und Model ist. Ekachai Uekrongthams Werk hingegen spart sich dabei asiatische Symbolismen aus und erzählt seine Story im Stil eines Hollywood-Biopic. Dadurch kann sich der Zuschauer voll und ganz auf den Lebensweg des Protagonisten konzentrieren, der an sich schon einiges an Verständnis und emotionalem Einfühlungsvermögen abverlangt.

Auf klassische Weise hat sich der Regisseur dazu entschieden, in einer Rahmenhandlung einen Reporter auf Recherche zu Nong Toom zu schicken, der diesem dann in Rückblenden seinen Lebensweg schildert. Dieser wurde von Choochart Nantitanyatada in berauschend schönen Bildern festgehalten, bei denen sich grandiose Landschaftsaufnahmen mit ästhetisch ansprechend choreographierten Boxszenen und menschlich anrührenden Momenten abwechseln. Ein sehr ungewöhnliches Kinoerlebnis, aber für ein aufgeschlossenes Publikum ein fraglos sehr lohnenswertes. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap