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Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell

Basic Instinct 2: Risk Addiction. USA 2006. R: Michael Caton-Jones. B: Henry Bean, Leora Barish. K: Gyula Pados. S: John Scott, István Király. M: Jerry Goldsmith, John Murphy, John Scott. P: Sony, Intermedia, C-2. D: Sharon Stone, David Morrissey, Charlotte Rampling, David Thewlis u.a.
110 Min. Constantin ab 30.3.06

Das Ende einer Affäre

Von Nicole Ribbecke Fest in der Erinnerung verwurzelt ist der skandalumwobene Erotik-Thriller, der bereits vor Kinostart 1992 für Furore sorgte – Basic Instinct. Viel diskutiert war die Szene, über die tuschelnd Gerüchte verbreitet wurde, was man nun genau sah oder auch gar nicht sah während des kurzen Moments, in dem Sharon Stone kurzberockt, vor den schwitzenden Gesichtern der Polizeibeamten, ihr Bein über das andere schlug. Unvergeßlich war die kühle Blonde, die eispickelnd Männer wie Frauen in den Wahnsinn trieb, um den Klassiker des Genres zu kreieren, dem etliche Inkarnationen folgen sollten. Zumeist jedoch blieben derartige Ableger nicht nur weniger skandalös, sondern auch minder erfolgreich, da das Zusammenspiel von Sharon Stone und Michael Douglas, der gefährliche Bann, in den die berechnend und intelligente Schönheit den abgehalfterten Polizisten zieht, jedweder Kopierbarkeit trotzte. Aus diesem Grund darf bezweifelt werden, ob ein Sequel erwünschenswert ist nach dem zweideutigen Abschluß des erotischen Verwirrspiels, das so wunderbar keines seiner Geheimnisse preisgab und den Zuschauer derart befriedigt unbefriedigt zurückließ, um jedem seinen eigenen Spekulationen zu überlassen. Ein grandios abgerundetes Werk, welches keiner weiterführenden Episode bedurft hätte.

Offensichtlich finanziellen Absichten verdankend folgt dennoch ein »Neues Spiel für Catherine Tramell«, der bereits im Untertitel verrät, daß wir es hier zumindest nicht mit einer der Fortsetzungen zu tun haben, die komplett neue Charaktere herbeizaubern, um ihren Erfolg weiterzuführen. Es bleibt dieselbe kaltblütige Nymphomanin, sowie Sharon Stone als Verkörperung dieser prototypischen Femme fatal, die ihr Unwesen treiben darf. Selbstverständlich werden die Hüter des Gesetzes ein weiteres Mal aufmerksam auf das satanisch Weibliche, wodurch Kriminalpsychologe Dr. Glass ihr tödliches Spiel zu durchschauen versucht. Die zweite Runde wird zunächst ähnlich spektakulär eingeläutet, indem im Vorfeld ebenso medien- und öffentlichkeitswirksam gestritten wird wie vor vierzehn Jahren. Nachdem zunächst David Cronenberg im Gespräch war, hat Michael Caton-Jones die Regiearbeit übernommen. Sharon Stone lehnte Benjamin Bratt als schlechten Schauspieler ab, Bruce Greenwood schied bald danach als Alternative aus. Während Pierce Brosnan einige Szenen zu geschmacklos waren, fühlte Kurt Russell sich unwohl aufgrund der Nacktszenen. Robert Downey jr. disqualifizierte sich aufgrund einer weiteren Verhaftung wegen Drogenbesitzes. Letztendlich fiel die Wahl auf David Morrissey, Gatte der Urenkelin von Sigmund Freud, somit prädestiniert, den Psychiater zu mimen.

Doch wurde nicht nur die Protagonistin beibehalten, es kommt einem zudem so vor, als wären das Drehbuch des ersten Teils aufgegriffen und lediglich geringfügige Veränderungen vorgenommen worden. Tauscht man den Schauplatz London wieder mit San Fransisco und würde man den Gürtel durch den altbewährten Eispickel ersetzen, hätte man die nahezu identische Kopie des Originals. Dieser Film ist demnach denjenigen zu empfehlen, die bedauern, den ersten Teil verpaßt zu haben. Dennoch würde ich eher dazu raten, diesen Vorreiter für ein kleines Heimkinoerlebnis auszuleihen und sollte es nur aufgrund des männlichen Gegenparts sein. Ich hoffe inständig, David Morrissey niemals wieder einen ganzen Film lang ertragen zu müssen. Unbeholfen tapst er durch den Film, ohne dabei wenigstens attraktiv zu wirken, und ist bei seiner tolpatschigen Anstrengung nicht nur Catherine Tramell, sondern auch Sharon Stone unterlegen, die einfach nur ihre alte Rolle wieder aus dem Schrank packt und dabei trotz des vorangeschrittenen Alters noch glaubwürdig wirkt.

Der Tuscheleien über bahnbrechende Erotik sei hier im Vorfeld der Wind aus den Segeln genommen. Gelangweilt sieht man den wenigen und vollkommen unmotiviert eingestreuten Sexszenen zu, die heutzutage keinen Mann mehr dazu veranlassen werden, seine Jacke auf dem Schoß zu plazieren, um seine Begleitung nicht zu erschrecken. Die Werbezeile »Everything interesting begins in the mind« scheint es allzu ernst zu meinen. Man sollte die gesamte Handlung statt auf der Leinwand einfach in seinem eigenen Kopf ablaufen lassen – dort werden sicher interessantere Geschichten erdacht. 1970-01-01 01:00
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