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Basic

USA 2003. R: John McTiernan. B: James Vanderbilt. K: Steve Mason. S: George Folsey jr. M: Klaus Badelt. P: Intermedia, Phoenix. D: John Travolta, Connie Nielsen, Giovanni Ribisi, Samuel L. Jackson, Taye Diggs, Harry Connick jr. u.a.
Universum ab 11.9.03

Heißer Brei und kalter Kaffee

Von Oliver Baumgarten Wohltuend ist es, mal wieder klassisches Hollywoodkino zu sehen, das sich nicht ausschließlich über Computereffekte definiert und die CGI-Herkunft seiner Bilder dann auf der Leinwand auch noch plump ausstellt. Geschehen zuletzt im zweiten Matrix-Teil, wo Keanu Reeves in den Animationen der Actionszenen mitunter aussah wie ein lackiertes Furnierbrett.

Aber es gibt sie noch, die Traditionalisten in Hollywood, die gekonnten Handwerker, deren Kameras wie eh und je »dem Tod bei der Arbeit zuschauen«, wie Jean Cocteau das sagen würde. William Friedkin etwa tat dies ausnehmend gelungen in Die Stunde des Jägers oder jüngst Jonathan Mostow im Terminator (wie schon in dessen Erstling Breakdown). John McTiernan gehört freilich auch in diese Reihe, selbst wenn Basic ausnahmsweise kein ausgesprochener Actionfilm ist. Der Thriller erzählt von zwei Militärermittlern, die das mysteriöse Verschwinden eines Übungstrupps nebst Ausbilder im Dschungel Panamas aufklären sollen. Es gibt zwei Überlebende, deren Aussagen sich widersprechen, aber auch verdeutlichen, daß es sich um vorsätzlichen Mord handeln muß, dessen Strippenzieher zunächst im Dunkeln bleibt.

Um die komplexen Einzelheiten der verschiedenen Versionen jener Geschehnisse, die sich im Dschungel abspielten, zu erzählen, arbeitet McTiernan mit Zwischenblenden. Die Szenen löst er durchgehend klassisch auf und verzichtet dabei auf jeglichen modischen Schnickschnack an der Optik. Kameramann Steve Mason erlaubt sich lediglich eine immer wieder auftauchende optische Kapriole: Der dichte Regen, der während der Handlung unablässig fällt, wird von ihm mal wie mit Pastell, mal wie mit Kohlestift gemalt ins Bild gesetzt. So während eines Hubschrauberfluges: Waagerecht peitschen langgezogene Tropfen im Hintergrund vorbei und fügen sich durch ihren Rhythmus bald zu einem Diagramm ästhetisierten Chaos': ein wunderschöner Farbklecks in grauer Bilderroutine.

Denn abgesehen davon konzentrieren sich die Scope-Kompositionen klar auf die Darsteller, insbesondere auf das Zusammenwirken von John Travolta und Connie Nielsen. In ihrem Spiel muß sich ein Großteil der Spannung entwickeln, und genau das gelingt leider nicht immer. In einigen Phasen des Films können sich beide noch so gelungen charmant geben, und auch die Kamera kann sich so dicht wie möglich an die Gesichter der beiden heften – es hilft nichts, wenn doch das Drehbuch stellenweise furchtbar behäbig die Figuren um den dramaturgischen heißen Brei kreisen läßt. Was ist hier überhaupt der »heiße Brei«? Man weiß es nicht so recht, und mit Dauer des Films wird dies auch zunehmend egal. Das alles ist sehr schön anzuschauen, doch zu fesseln vermag Basic am Ende nicht. 1970-01-01 01:00
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