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Barb Wire

USA 1995. R: David Hogan. B: Ilene Chaiken. K: Rick Bota. S: Peter Schink. M: Michel Colombier. D: Pamela Anderson Lee, Temuera Morrison, Victoria Rowell, Jack Noseworthy, Udo Kier u.a.
113 Min. Scotia ab 17.10.96
Von Nikolaj Nikitin Dieser Film fällt in ein Loch, welches vielleicht das tödlichste und tiefste Loch ist, in das ein Film fallen kann. Er ist mittelmäßig. Wäre er gut (schwer vorstellbar), hätte man sich amüsiert und dem Regisseur zu einem gelungenen Film gratulieren können. Wäre er schlecht (sehr, sehr leicht vorstellbar), hätte man sich über die Unfähigkeit des Regisseurs, der Darsteller und der Technik (ins Bild hängende Mikros sind bei solchen Filmen immer eine Lachgarantie) ausgelassen und erzählt, wie viel besser man es selber machen könnte, und wäre befriedigt nach Hause gegangen.

Ganz zu schweigen davon, was gewesen wäre, wenn der Film richtig geil wäre (bei wem ließe sich das leichter vorstellen als bei PAM). Aber der Film erfüllt keine dieser Zuschauererwartungen. Er fängt beim letzten Punkt an (eine supergeile, pudelnasse PAM liefert eine atemberaubende Show), klopft dann gute Sprüche (»Don't call me Babe«, »The audience was wet«). Doch schnell kommt er ab vom Pfad der Tugend – entweder geile PAM oder coole Sprüche oder, was im Endteil durchaus vorkommt, rasante Action.

Casablanca hat ja wohl jeder gesehen, da braucht man die Geschichte von Barb Wire nicht nachzuerzählen. Wobei sich natürlich eine wunderbare Gelegenheit bieten würde, um über einen überschätzten Film abzulästern.

Doch obwohl Barb es durchaus mit Bogie aufnehmen kann, was die Fähigkeiten der Typage angeht, so fehlt doch der unabstreitbare Kulteffekt bei Barb Wire.

Die in eine düstere Zukunft verlegte Story hat einfach zuviel Schwächen, Nebeneffekte und Unsicherheiten, um den Zuschauer richtig zu packen. Einzelne begnadete Szenen, wie z. B. Hollywoods Dauerexzentriker Udo Kier singend beim Fegen (Lili Marleen), reißen das Ganze leider nicht raus.

Wo bei Striptease nur Demi Moore ein Übel war, das durch die exzellente sonstige Darstellercrew (lüsterner Reynolds, ultracooler Rhames) und geistreiche plotlines gerettet wurde, steht Babe niemand zur Seite.

Wieder mal eine Comicverfilmung, die nicht dem Vorbild gerecht wird und einfach zu einfallslos daherkommt, um einen eigenen Stil zu entwickeln.

Der Name des Regisseurs ist übrigens David Hogan – es ist zwar sein Debüt, den Namen braucht man sich aber trotzdem nicht zu merken. Er kommt, wie viele heutzutage, aus der Musikvideobranche und dirigierte bis jetzt den zweiten Stab bei Batman Forever und Alien 3.

Und mal ehrlich, wer tut sich schon zwei Stunden Baywatch an, obwohl, ohne David, und vielleicht noch mit Erika, hmmm? 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
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