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Bandits

D 1997. R: Katja von Garnier. B: Katja von Garnier, Uwe Wilhelm. K: Torsten Breuer. S: Hans Funck. M: Peter Weihe, Udo Arndt, Volker Griepenstroh. D: Katja Riemann, Jasmin Tabatabai, Nicolette Krebitz, Jutta Hoffmann, Hannes Jaenicke, Andrea Sawatzki, Peter Sattmann u.a.
108 Min. Buena Vista ab 3.7.97
Von Oliver Baumgarten Nach ihrem enormen Erstlingskurzfilmerfolg Abgeschminkt! (1992) verordnete sich die in der Heimat mittlerweile hoch gehandelte Katja von Garnier einen längeren USA-Aufenthalt, drehte zwei kleine Dokumentarfilme und feilte am ganz großen Wurf. Mit Bandits ist er ihr allerdings nicht geglückt.

Vier Knastschwestern gründen eine Band und nennen sich Bandits (na, das paßt ja, wie das von Nicolette Krebitz gespielte Blondchen Angel bemerkt: »Band und Tits!«). Vor ihrem ersten Konzert beim Polizeiball ergreifen sie die Möglichkeit zu fliehen und haben fortan auf ihrem Weg zum Schiff in die Freiheit im Macho-Bullen Schwarz (unterfordert, aber cool: Hannes Jaenicke) ihren Jäger, während einer ihrer Songs zum Riesen-Hit wird und sie selbst zu gefeierten Helden.

Auch wenn Katja Riemann als erste im Vorspann genannt wird, die erste Geige spielt sie hier nicht – sondern Schlagzeug, was ja den Vorteil hat, daß Schlagzeuger »auf der Bühne immer hinten sitzen«, wie schon im Film positiv bemerkt wird. Katja Riemanns immerwährende Darstellung von Katja Riemann nervt und fällt neben Kraftbündel Jasmin Tabatabai und Sweetness Nicolette Krebitz besonders unangenehm auf, die ihren vom Drehbuch diktierten Stereotypen zumindest ungeheuren Charme verpassen.

Die klaren Vorzüge von Abgeschminkt!, komische Dialoge und eine recht unprätentiöse Ausstrahlung, gehen in Bandits fast komplett verloren. Texte wirken schwunglos, Pointen bohren sich ins Zahnfleisch, die Stimmung erscheint gekünstelt. Die Szenen, in denen die Band spielt, entsprechen optisch so ziemlich genau der Wald- und Wiesenvorstellung des Videoclip-Stils oder, wie es noch waschiger heißt, der »MTV-Ästhetik« und sind somit diktiert von schnellen Schnitten, der ständig in Fahrt befindlichen Kamera und viel, viel Farbe. Das Problem dabei ist nur – weil der Rest des Films erheblich zu lahm, uninspiriert, teilweise gar steif ausfällt -, daß diese bunten Elemente wie Fremdkörper-Implantate brutal vom Rest des Films abgestoßen werden und alles andere als eine elegante Einheit bilden. So schwer schien die Last der großen Vorbilder auf Bandits zu ruhen, daß wohl keinem Luft blieb, mehr Eigenes und Mutigeres einzubringen; wie in der Schlußsequenz, die in der Kombination filmischer Mittel wirklich eindrucksvoll gelang. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
© 2012, Schnitt Online

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