— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Banditen!

Bandits. USA 2001. R: Barry Levinson. B: Harley Peyton. K: Dante Spinotti. S: Stu Linder. M: Christopher Young. P: MGM u.a. D: Bruce Willis, Billy Bob Thornton, Cate Blanchett, Troy Garity u.a.
118 Min. Constantin ab 1.11.01

Geld oder Schlaf

Von Andrea Keil Wilde Gemetzel haben bisweilen Kultcharakter, so z.B. die blutdurchtränkte Vampirjagd in From Dusk till Dawn oder die schon fast ästhetisierte Gewalt in Pulp Fiction. Auch mit dem Roadmovie assoziiert man spätestens seit Natural Born Killers einen Mindestblutpegel von drei bis vier Leichen, wenn nicht mehr.

Barry Levinsons neuer Film Banditen! ist ein Roadmovie, kommt aber trotz der genretypischen Banküberfälle ganz wunderbar ohne eine einzige Leiche aus. Stattdessen wird exakt das Gegenteil zum stilistischen Prinzip erhoben: Die beiden Kriminellen Joe und Terry agieren während ihres Raubzuges durch Oregons Banken als Inkarnationen der Freundlichkeit. Kein lautes Wort keine Drohung, keine Gewalt. Es scheint, als ob mit dem Gangsterduo Bruce Willis und Billy Bob Thornton ein neuer Mythos erwacht, der Mythos der »Sleepover Bandits«, Banditen, die bei ihren Bankier-Opfern übernachten und dabei eine sich für Gäste ziemende Höflichkeit an den Tag legen, daß selbst die Beraubten ganz entzückt sind. Eigentlich geht es Levinson dabei auch gar nicht so sehr um die Banküberfälle, sondern vielmehr um das Gegeneinanderausloten zweier von Grund auf unterschiedlicher Charaktere. Da ist Joe (natürlich Bruce Willis), ein heißblütiger, furchtloser, selbstsicherer Mann der Tat und daneben Terry, ein hochsensibler, zittriger und neurotischer Kopfmensch – ein Paar, daß sich so gut ergänzt, daß sie beide zusammen für die schöne Geisel Cate Blanchett den perfekten Traummann darstellen.

Die komischen Versatzstücke, mit denen Banditen! durch und durch gespickt ist, entfalten sich rein über die den Situationen der Handlung innewohnende Absurdität. Es ist eine Komik, die bis in die Tiefe der dramaturgischen Struktur greift, weit entfernt von jeglicher Slapstickmethodik, die rein an der Oberfläche operiert. Barry Levinson arbeitete zudem sichtbar bemüht daran, seine Figuren so realistisch wie möglich wirken zu lassen. Das mag sich vielleicht angesichts der teilweise unglaublichen Geschehnisse etwas absurd anhören – dennoch erscheint aus der Retrospektive der Filmereignisse alles sehr plausibel, und man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen. Diesem Anspruch, möglichst realistisch zu drehen, wird Levinson zum Teil auch durch seinen dokumentarisch anmutenden Stil gerecht, nicht ohne dadurch allerdings auch einige Längen, die leicht einschläfernde Wirkung haben können, in Kauf nehmen zu müssen. So ist denn auch die überraschende Wendung am Ende notwendig, um die zweite Hälfte des Films nicht ins Lapidare abstürzen zu lassen. 1970-01-01 01:00

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap