Schießen Sie auf den Editor
Von Daniel Bickermann
Zwei norwegische Regisseure, die eingestandene Fans der Spencer/Hill-Filme sind, ein französischer Kameramann, der von
Mein Name ist Nobody schwärmt – dieses infantile Tohuwabohu um zwei mexikanische Ulknudeln mit Schießeisen sollte wohl mal eine wirklich deftige Witzparade werden. Aber leider scheinen die Zeiten lang vorbei, da die europäischen Drehteams den Mumm oder die Komik hatten, um in jeder Hinsicht schonungslosere Western zu drehen als ihre amerikanischen Konkurrenten. Diese Produktion von Luc Besson jedenfalls hat sich von den strahlenden Vorgängern nur das Schlimmste bewahrt: Von Leones grandioser Inszenierung und seinen unterschwelligen Ambivalenzen ist nur die mangelnde Subtilität geblieben; von den vierfäustigen Westernkomödien mit ihrem wunderbaren Timing und den surreal-absurden Momenten... nun ja, auch nur die mangelnde Subtilität.
Nun stolpern also Penélope Cruz und Salma Hayek durch einen mauen stilistischen Abklatsch all der ohnehin schon langweiligen Franzosenwestern wie
Blueberry, schauen Steve Zahn bei seinem üblichen Overacting zu und Dwight Yoakam beim Grimassenschneiden, Fäusteballen und Zähnefletschen. Dank des dementen Drehbuchs müssen sie leider auch andauernd ihre Emotionen ausformulieren, den Plot erklären oder ihre Motivationen durchdiskutieren. Das letzte Bißchen Chemie, das die beiden Schönheiten beim obligatorischen gemeinsamen Bankausrauben, Zugüberfallen, Tresorsprengen und Großgrundbesitzerbekämpfen entwickeln, wird dabei vom hanebüchenen Schnitt Frédéric Thoravals endgültig zunichte gemacht, eines von Luc Besson zu Unrecht protegierten Action-Cutters. Thoraval hat sich sichtlich seinem didaktischen Auftrag verschrieben: Er liefert mit diesem Film jedem angehenden Filmschaffenden eine Anleitung dazu, wie man eine eigentlich schön choreographierte Prügelszene kaputtschneidet, wie man mit den gleichen Techniken eine lächerlich verwackelte Verfolgungssequenz durch abrupte Jump Cuts noch unübersichtlicher macht und wie man schließlich bei jedem Zungenkuß oder zweideutigem Ausspruch so auffällig verschämt wegblendet, daß jeder potentiell magische Moment schon im Keim erstickt wird.
Als einziger echter Cowboy reitet Sam Shepard traurig durch diese mißlungene Travestie, vielleicht in der Hoffnung auf eine ähnliche Selbsthommage wie sie Henry Fondas Auftritt in
Mein Name ist Nobody damals bot. Statt dessen hält er als einziger die Werte des wahren Westerns hoch, als da waren: Wortkargheit, Zynismus, Schußgewalt. Er tut, was er kann, aber weil sich sein Charakter schon nach einer halben Stunde aus dem Film verabschiedet, bleibt er nichts als ein einsamer Cowboy unter lauter Euro-Spinnern, weit weg von zuhaus.