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Bad Santa

USA 2003. R: Terry Zwigoff. B: Glenn Ficarra, John Requa. K: Jamie Anderson. S: Robert Hoffman. M: David Kitay. P: Triptych Pictures. D: Billy Bob Thornton, Tony Cox, Brett Kelly, Lauren Graham u.a.
91 Min. Columbia ab 18.11.04

Häßliche Weihnacht

Von Nikolaj Nikitin Mal ehrlich, paßt eigentlich das Bild vom lieben Onkel mit dem Rauschebart und dem Schlitten, der von Rentieren gezogen wird, der allen artigen Kindern zum Fest der Liebe Geschenke bringt, in unsere postmoderne, von Gewalt und Hi-Tech regierte Gesellschaft? Doch eher nicht! Genauso sahen es wahrscheinlich auch Regisseur Terry Zwigoff und Hauptdarsteller Billy Bob Thornton, als sie sich der Verfilmung des Skripts der Drehbuchautoren Glenn Ficcara und John Requa annahmen. Denn ihr Weihnachtsmann hat nun wahrlich nichts mit der Figur zu tun, die wir aus klassischen Hollywoodfilmen über den Geschenkeverteiler vom Nordpol kennen.

Thorntons Weihnachtsmann ist ein versoffener Safeknacker, der keinen Rock ausläßt und nur regelmäßig ins Kostüm hüpft, um nach einer Weile der Observierung das Kaufhaus, in dem er auftritt, auszurauben. Ein Loser, wie er im Buche steht, und der doch sofort die Sympathie der Zuschauer gewinnt. Thornton spielt und flucht vor allem mit soviel Freude (laut IMDb hat dieser Film die meisten Schimpfwörter für ein Werk diesen Themas), daß ich mir wünsche, dieser Film höre gar nicht auf, und daß all die anderen Schauspieler die Bildfläche verließen, um das Rampenlicht ganz ihm zu überlassen. Schwer vorzustellen, daß Thornton nicht gleich erste Wahl für die Besetzung war und erst das Rennen machte, als Bill Murray und Jack Nicholson wegen anderer Verpflichtungen absagen mußten.

Konstruiert ist die Geschichte äußerst einfach rund um einen harten Kerl mit einer sehr weichen Schale, auch wenn es zum Schluß noch temporeich und überraschend zugeht. Herrlich die Freundschaft zwischen dem verkorksten »Mann in Rot«, der eher eine Flasche Whiskey als einen Bart zu seinen notwendigen Requisiten zählt, und dem übergewichtigen, kleinen rothaarigen Jungen, der einfach nur einen Freund haben will und noch an den Weihnachtsmann glaubt.

Bad Santa überzeugt mit erfrischender political incorrectness – vor allem die Kommentare und Handlungen des Sidekicks, des kleinwüchsigen Afro-Amerikaners, und das Benehmen von Santas sexgeilem Groupie. Mal ehrlich, wenn ich mir vorstelle, wie Santa Claus aussieht, erscheint von jetzt an das Gesicht von Thornton: Bad Santa ist ein schönes kinematographisches Weihnachtsgeschenk – vor allem für unartige Kids, und die haben ja bekanntlich viel mehr Spaß. In diesem Fall im Kino. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.
© 2012, Schnitt Online

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