— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Autobahn Ost

D 2004. R,B: Gerd Kroske, Axel Dossmann. K: Dieter Chill. S: Kirstin Geller. M: Klaus Janek. P: Leykauf Film.
95 Min. Real Fiction ab 4.11.04

Planfrei

Von Anne Heringhaus Eigentlich doch so ein schönes Motiv, die Autobahn Ost ganz metaphorisch als Brücke zwischen den ost- und westdeutschen Zuschauern zu benutzen. Aber Gerd Kroskes Film verzichtet auf sämtliche Sentimentalitäten oder Wiedervereinigungsszenen. Er spaltet. Er spaltet das Publikum in die Generationen der Zeitzeugen und der Nichtzeitzeugen – des Alltags an der Autobahn.

Gespannt wartet man auf verschwundene Alltagsbilder vom »Intershop«, »Minol-Pirol« oder von »Plaste und Elaste Schkopau«, die alte Erinnerungen wach werden lassen könnten. Stattdessen erzählt der Chef einer Paßkontrolleinheit, daß die Grenzüberschreitung nach dem Transitabkommen immer zügig und ohne Probleme voranging. Man bleibt sitzen und fragt sich, ob die Gegenmeinungen weiterhin nicht geäußert werden dürfen.

15 Personen aus Kroskes »Heimatland« erzählen persönliche und unzusammenhängende Geschichten zum Autobahnalltag. Die Struktur wird weder räumlich noch in den persönlichen Geschichten deutlich. Es scheint, als sei Kroske so vertieft in sein Metier, daß er vergißt, dem Zuschauer eine Übersicht und Bezugspunkte zu geben, um die Informationen zu sortieren. Wenn man das Thema nicht im Kopf hätte, würde man sich vermutlich immer noch fragen, wo sich das Ganze abspielt, denn Kroske gibt keinen Kommentar.

Die Lücke zwischen Betrachter und Erzählendem bleibt groß und die Wirkung fraglich, vor allem bei denjenigen, die nicht mehr erlebten, »drüben zu sein« oder »rüber zu fahren«, als die Mauern von links und rechts zum Grenzübergang immer näher kamen, die Beklemmung stieg und die Gesäßmuskeln auf den DDR-Straßen einer Dauerbelastung unterzogen wurden. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap