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Austin Powers in Goldständer

Austin Powers in Goldmember. USA 2002. R: Jay Roach. B,D: Mike Myers. B: Michael McCullers. K: Peter Deming. S: Jon Poll, Greg Hayden. M: George S. Clinton. P: Gratitude International u.a. D: Michael Caine, Beyoncé Knowles, Michael York, Robert Wagner, Seth Green u.a.
94 Min. Warner ab 24.10.02
Von Carsten Tritt Bereits als der Vorspann von Dr. No mit dem Kinderlied über »Three Blind Mice« hinterlegt wurde, sollte sich das damalige Kinopublikum gefragt haben, wie ernst man diesen Genrefilm würde nehmen können. Spätestens zwei Werke danach, als der Koreaner mit der tödlichen Hutkrempe auftauchte und der dicke Goldfinger durch ein Flugzeugfenster gesogen wurde, war die Grenze zur Selbstpersiflage endgültig überschritten.

Der dritte Austin-Powers-Film gibt sich gleich in der Eröffnungssequenz als Parodie zu erkennen. Powers hat inzwischen eine Autorität entwickelt, die es jedoch nicht mehr ausreichen läßt, den englischen Agentenfilm zu ironisieren; dieses Gebiet haben seine Schöpfer schon zweimal ausgeschöpft. Folglich geht er denselben Weg, wie weiland 007, und wird zur Parodie seiner selbst, für Powers bedeutet das also: zur Metapersiflage. Das ist sogar recht unterhaltsam. Es glückt ihm, seine beiden zentralen und bewährten Humorthemen, Harn und Penes, erneut zu variieren, ebenso gelungen ist die Einführung der holländischen Schurkenfigur, die in der Synchronfassung wohl »Goldständer« heißen wird und die in ihrer vertrauten bondschen Abkommenschaft sogleich zum homogenen Bestandteil dieser kleinen Welt des Mojo konvergiert.

Die Metapersiflage wird Powers' Trutzburg, die ihn davor bewahrt, daß die dritte Spielart seiner Scherze als bloße Verwässerung seiner früheren Auftritte wirken könnte. Sie gibt ihm aber auch die väterliche Wärme, die er braucht und die er sich im Film erst erkämpfen muß, bevor sie sich in den Armen liegen, Austin Powers, sein Vater und auch Powers' alter Erzfeind Dr. Evil darf mitkuscheln, der ja eigentlich ebenfalls zur Familie gehört. Auch Powers' Vater ist ein alter Bekannter, ein Geheimdienstkollege von Bond, etwas ruhiger, dafür aber intelligenter, und der erste Filmserienheld mit schwarzer Hornbrille. Die trägt er heute noch – obwohl er sich inzwischen Nigel Powers nennt – statt wie einst Harry Palmer. Damit wären wir nach aller Persiflierung eigentlich dort, wo wir vor gut vierzig Jahren angefangen haben, und könnten uns ganz gemütlich wieder der Ipcress File zuwenden. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #28.
© 2012, Schnitt Online

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