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Aus Liebe zum Spiel

For Love of the Game. USA 1999. R: Sam Raimi. B: Dana Stevens. K: John Bailey. S: Eric L. Beason, Arthur Coburn. M: Basil Poledouris. P: Universal. D: Kevin Costner, Kelly Preston, John C. Reilly, Jena Malone, Brian Cox u.a.
137 Min. UIP ab 18.5.00

Kevin Costner und der Baseball

Von Frank Brenner Das Überraschendste an Aus Liebe zum Spiel ist, daß Sam Raimi für das Erzählen einer derart simplen Story geschlagene 137 Minuten braucht. Die besten Filme sind ja angeblich die, die man in einem Satz zusammenfassen kann. »Sportlerlegende realisiert nach fast zwanzig Jahren Profibaseball, daß es da noch etwas wie Liebe gibt, die besonders wichtig wird, wenn die Leistung im Hobby Beruf nachläßt.« Komisch, es klappt auch hier – und sogar relativ lückenlos. Entweder ist das die vielzitierte Ausnahme der Regel oder, was wahrscheinlicher ist, der Beweis, daß es sich dabei um eine Binsenweisheit handelt.

Man muß schon ein großer Kevin-Costner-Fan sein, um an diesem Film etwas Gutes zu entdecken. Der König der Flops ist hier nämlich omnipräsent, es gibt kaum eine Szene, in der er nicht auf der Leinwand wäre. Die Alternative: man ist Baseballfan, dann kriegt man hier einige ausführliche Spielszenen präsentiert, obwohl es doch eigentlich eher um das Privatleben des Spielerstars geht. Ein Liebes-, Leides- und Beziehungsfilm also. So etwas funktioniert aber nur mit fesselnden Darstellern, packenden Dialogen oder kurzweiliger Inszenierung. Fehlanzeige. Da ich nun aber weder Kevin-Costner- noch Baseballfan bin, muß ich mir verzweifelt etwas suchen, das mein Interesse wachhält. Da ist z.B. Dana Stevens' Drehbuchgimmick der verschachtelten Erzählstruktur. Die Handlung beginnt 1999 und setzt dann noch mit einer sauberen Einblendung »fünf Jahre früher« eine erste Rückblende an. Danach folgen Flashbacks in Flashbacks, dazwischen immer wieder Szenen aus dem aktuellen Spiel der Entscheidung. Irgendwann verliere ich den Durchblick, es ist ja doch immer nur Kevin Costner zu sehen und der sieht immer gleich aus.

Interessant könnte sein, was Sam Raimi aus dem Kontrast zwischen Film- und Fernsehästhetik macht, schließlich benutzt er auch – ganz zeitgemäß – abwechselnd Film- und Fernsehkameras. Doch leider läßt sich kein rechtes Schema ausmachen. Bilder vom Baseballspielfeld, mal durch das TV-Auge betrachtet, mal wie live dabei. Trotzdem wird Kevin Costner in heldenhafter Slow Motion in Siegerpose durch beide Kameras gefilmt – da geht dann auch der Sinn einer ästhetischen Differenzierung verloren. Damit auch weniger baseballgeschulte Zuschauer mitkommen, setzt Raimi eine Handvoll repräsentative Zuschauer wiederholt ins Bild, manche in der Kneipe vor dem Fernsehschirm, andere im Stadion, die das Spielgeschehen lautstark kommentieren. Das ist ebenso gängig wie abgenutzt. Ein handwerklich routiniert gemachter Film also, für Kevin-Costner- und Baseballfans – gibt es die noch? 1970-01-01 01:00
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