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Aus dem Dschungel in den Dschungel

Jungle 2 Jungle. USA 1997. R: John Pasquin. B: Bruce A. Evans, Raynold Gideon. K: Tony Pierce-Roberts. S: Michael A. Stevenson. M: Michael Convertino. D: Tim Allen, Sam Huntington, Jobeth Williams, Lolita Davidovich, Martin Short u.a.
105 Min. Buena Vista ab 27.7.97
Von Oliver Baumgarten Das ist US-Logik: Wozu Filme synchronisieren, wenn einer das Geld auftreibt, sie schlichtweg selbst zu drehen? Dieses bewährte Eurocycling-Verfahren, das in den letzten Jahren Frankreich besonders hart traf, gipfelt vorerst in der Verwertung eines (oh!) französischen Films. Hervé Paluds Little Indian (1994) reist in der US-Version zwar auch aus dem Dschungel, aber nicht nach Paris, sondern in den Dschungel New Yorks, wie es der subtil sozialkritische Titel andeutet.

Sein Vater Michael Cromwell nämlich, erfolgreicher Broker und gespielt von »Guck mal, er ist behämmert«-Tim Allen, muß nach Jahren von seiner geschiedenen und in die Wildnis Südamerikas geflüchteten Frau erfahren, daß er einen pubertierenden Sohn (Sam Huntington) hat, und läßt sich überreden, den von Indianern erzogenen Lendenschurzträger mit nach New York zu nehmen. Mit der kleinen Aufgabe seines Häuptlings im Gepäck, Feuer aus der Fackel der »Lady Liberty« mitzubringen, treibt sich dieser, auf Kosten Michaels und seines hysterischen Kollegen Richard (hysterisch: Martin Short), in New York herum. Viele Klischees und Soziallektionen später verliebt sich der Junge schließlich in die Tochter des genervten Richard (nervig: Martin Short), während Broker-Papa Michael zum Naturburschen mutiert.

Die leider nur sehr bedingt komischen Späße, die Vater und Sohn erleben, waren schon besser zu sehen und bedienen sich sowohl bei Filmen wie Richard Thorpes Tarzan's New York Adventure mit Scheitel-Johnny Weissmuller als auch beim Australien-Tarzan Crocodile Dundee. Der alte Gag, jemanden mit einer Vogelspinne zu erschrecken, wird zum Beispiel bis zur Blutleere ausgequetscht, indem das Tier mit schmerzlicher Konsequenz aber auch jede der Figuren wenigstens einmal in Panik versetzt – dabei hätte ihr computeranimierter erster Auftritt als Witz völlig ausgereicht. Auch lustige Wilden-Standards wie Blasrohr mit Giftpfeil oder das Grillen von Zierfischen sind schon lange nicht mehr wirklich komisch, zumal dem Autor sonst so gar nichts Neues einfällt und es Regisseur John Pasquin insgesamt deutlich an Tempo mangelt.

Den auch vom Erzählerischen her unentschlossenen Film Aus dem Dschungel in den Dschungel trägt noch am ehesten die Souveränität Tim Allens, der, statt auf alberne Hysterie-Grimassen eines Martin Short zurückzugreifen, lieber die subtilere Variante wählt und mit der besten Szene dem Film zumindest eine Chance bewahrt: In dieser Szene nämlich versucht er, den Betäubungszustand einer Katze vor seiner Geliebten zu verbergen und erreicht damit nahezu Leslie Nielsens Naked Gun-Qualität. Doch eine gute Szene und ein gelungener Yoko-Ono-Gag dürften kaum reichen, die Zuschauer in den Dschungel zu treiben; ich wollte eher wieder raus. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #07.
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