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Aufgelegt! – Hanging Up

Hanging Up. USA 2000. R: Diane Keaton. B: Delia Ephron, Nora Ephron. K: Howard Atherton. S: Julie Monroe. M: David Hirschfelder. P: Columbia Pictures. D: Meg Ryan, Diane Keaton, Lisa Kudrow, Walter Matthau, Adam Arkin, Cloris Leachman u.a.
94 Min. Columbia-TriStar ab 18.5.00

Frauen am Telefon

Von Frank Brenner Das Telefon ist die Geißel unserer Tage. Es gibt kaum mehr eine Zug- oder Straßenbahnfahrt, auf der man nicht mindestens eines klingeln hört. Schlimmer noch: mindestens ein weiterer Mitreisender hält das Signal dann auch irrtümlich für das Geräusch seines eigenen Handys. Längst schon haben die nervtötenden und doch so nützlichen Kommunikationsgeräte Filmhauptrollen übernommen (so z.B. in Workaholic). Der Streß und die Hektik, die durch ein unablässig tüdelndes Telefon verbreitet werden scheinen sich ideal für ebenso chaotische Komödien zu eignen.

Aufgelegt! beginnt auf eben diese Weise. Er handelt von drei karrierebewußten modernen Frauen, allesamt Schwestern und ständig miteinander verbunden, falls nicht die Mittlere (Meg Ryan) gerade mit dem senilen und schwerkranken Vater (Walter Matthau) telefoniert. Im Auto per Freisprechanlage, in der Vorstandssitzung des Lifestylemagazins oder im Urlaub beim Fliegenfischen: ständig und überall redet man miteinander, auch wenn man sich gar nichts zu sagen hat. Daß man aber in den seltensten Fällen drei Dinge gleichzeitig machen kann, rächt sich dann auch an der telefonierenden Autofahrerin Meg Ryan, die damit den dritten Unfall in Serie verursacht. Die Unruhe, die von ihrer Figur ausgeht, überträgt sich schnell auf die Zuschauer; Szenen, die eigentlich komisch gedacht sind, fangen schließlich an zu nerven. Regisseurin Diane Keaton kann zwar mit ihrem sicheren Gespür für visuelle Komik und durch einige gelungene Dialoggags verhindern, daß einem der Geduldsfaden reißt, richtig glücklich macht sie ihr Publikum aber auch nicht.

Ab der Halbzeit ändert sie dann den Tenor ihres Films. Aus der hektischen Yuppiekomödie wird ein besinnlicher Familienfilm. Der Vater liegt im Sterben und seine fürsorgendste Tochter, die allen Grund hätte, ihn am meisten zu hassen, erinnert sich an gemeinsame Momente ihrer glücklichen Kindheit. Als sie realisiert, daß die Bande zu ihren Schwestern nur noch aus Telefondrähten bestehen, löst sie diese Verbindungen auf symbolträchtige Weise, um sich ihnen wieder von Mensch zu Mensch anzunähern.

Wenngleich Keaton mehr Sinn fürs Inszenieren dieser Sentimentalitäten entwickelt, bleibt durch die damit einher gehende Uneinheitlichkeit doch ein bitterer Nachgeschmack. Der Film ist von Frauen geschrieben und produziert, von einer Frau inszeniert und in den Hauptrollen mit drei Frauen besetzt, die ganz offensichtlich auch ohne Männer ihren Weg gehen können. Da reichen schon ein Hund und ein Handy. Aber dennoch ist es ein Mann, der Aufgelegt! sowohl in seinen komischen als auch seinen tragischen Momenten die Würze verleiht. Vollblutschauspieler Walter Matthau wird mit jedem Film runzliger und faltiger, aber auch interessanter. Es ist sein Verdienst, daß aus dem Schmunzeln manchmal ein Lachen wird und einem diese Schnulze mitunter mehr zu Herzen geht, als man sich selbst eingestehen möchte. 1970-01-01 01:00
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