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Auf Herz und Nieren

D 2001. R,S: Thomas Jahn. B: Jürg Brändli. K: Peter von Haller. S: Til Schweiger. M: Fetisch/Meister. P: Mr. Brown Entertainment/Senator. D: Steffen Wink, Niels Bruno Schmidt, Martin Glade, Thierry van Werveke, Udo Kier, Huub Stapel, Jochen Nickel, Burt Reynolds u.a.
93 Min. Warner Bros. ab 29.8.02

Protagonisten mit Herz

Von Frank Brenner »Never Change a Winning Team« – das Motto, das in Hollywood seit Jahrzehnten die Filmproduktion bestimmt, wird natürlich auch in deutschen Landen großgeschrieben. Da Til Schweiger und Thomas Jahn 1997 den profitabelsten deutschen Film des Jahres, Knockin' On Heaven's Door, vorgelegt hatten, war ein erneutes Teamwork der beiden Filmbegeisterten nur eine Frage der Zeit. Bei Auf Herz und Nieren ist Schweiger nun aber nicht mehr Hauptdarsteller, sondern hat sich auf die Rolle des Produzenten konzentriert und den Film zusammen mit seinem Regisseur Jahn geschnitten.

Das Ergebnis weist nicht sehr viele Parallelen zum Kassenknüller von vor fünf Jahren auf, wird aber voraussichtlich ebenfalls ein Publikumserfolg werden.
Die vier Protagonisten sind Versagertypen aus dem Bilderbuch, die nun endlich einmal auf der Siegerseite zu stehen scheinen, bis der ausgetüftelte Coup in die Hose geht und sie innerhalb weniger Tage für einen Gangsterboß eine Million auftreiben müssen. Die lukrativste Möglichkeit scheint darin zu bestehen, lebenswichtige Organe zu verhökern. Bei der Suche nach einem geeigneten »Spender« wird sich ihre Freundschaft einer Probe unterziehen müssen.

Thomas Jahns Film hat einen durchgehenden, tristen Look. Die Story, die im zwielichtigen Halbweltmilieu von Drogendealern, Organschiebern und Preisboxern angesiedelt ist, kommt ohne kräftige Farben aus. Auf Herz und Nieren ist in Braun- und Grautöne getaucht und erweckt auch dann den Eindruck eines Schwarzweißfilms, wenn Peter von Haller die monochrome Kamera nicht einsetzt. Grobkörnig und verwaschen sind mal wieder die Bilder, was gerade dann in letzter Zeit gerne zum Einsatz kommt, wenn der Eindruck von Authentizität und die Nähe zu den Protagonisten unterstrichen werden soll. Hier wirken diese technischen Spielereien jedoch größtenteils uninspiriert und beliebig, denn auch die abgehackten Schnitte folgen eher einem modischen Trend, als einem narrativen oder ästhetischen Zweck zu dienen.

Die Stärke des Films liegt in der Glaubwürdigkeit und Tiefe der vier Protagonisten. Bei der Charakterzeichnung haben der Autor Jürg Brändli und Regisseur Jahn auf zahlreiche Details geachtet, die die Figuren sympathisch machen und dem Film tatsächlich so etwas wie Herz verleihen. Insbesondere gilt dies für »Glotze«, den debilsten und gerade deswegen liebenswertesten der Vier, dem Thierry van Werveke mehr als ein Gesicht gibt. Es wäre schön, wenn dem talentierten luxemburgischen Schauspieler mit dieser Rolle endlich genau soviel Aufmerksamkeit von Seiten des Publikums zuteil würde, wie seinem Partner Moritz Bleibtreu nach Knockin' On Heaven's Door. Wenn Auf Herz und Nieren auch nicht so witzig, so originell und so spielerisch ist wie Jahns Debütwerk, bietet er doch kurzweilige und nette Unterhaltung. 1970-01-01 01:00
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