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Auf die stürmische Art

Forces of Nature. USA 1999. R: Hughes Bronwen. B: Mark Lawrence. K: Elliot Davis. S: Craig Wood. M: John Powell. P: Dream Works. D: Julia Roberts, Ben Affleck, Maura Tierney, Steve Zahn u.a.
105 Min. UIP ab 6.5.99
Von Christine Ehret Mußte vor kurzem noch »Pretty Woman« Julia Roberts in Die Hochzeit meines besten Freundes nach langem Gezerre einsehen, daß ihr bester Freund sich nunmal für Cameron Diaz als Frau fürs Lebens entschieden hat, ist es nun Sandra Bullock, die in dem romantischen Road-Movie nur für einige Tage die Hauptrolle im Leben Ben Afflecks spielen darf, um schließlich doch wegen einer anderen zurückzustecken.

Oberflächlich betrachtet fängt das Hollywood der einfachen Schemata und Klischees tatsächlich an, in Beziehungsdingen ein wenig zu differenzieren. Aus dem ewigen Prinz-trifft-auf-Prinzessin-Muster kristallisiert sich ein fast schon buntes Kaleidoskop aus Optionen, in der zwar z.B. alle »verrückt nach Mary« sind, aber die Philosophie, daß ein Puzzlestück zum anderen findet, durch eine heillose Aneinanderreihung von Zufällen, Willkürlichkeiten und menschlichen Unzulänglichkeiten ad absurdum geführt oder zumindest lächerlich gemacht wird.

Ist es in Verrückt nach Mary die maßlose Übertreibung, die den Paarfindungsprozeß seines märchenhaften aufpolierten Glanzes beraubt, führen in Auf die stürmische Art unter anderem die nach Hilfe jauchzenden Befragungen von Rentnerehepaaren durch den zukünftigen Bräutigam zu der amüsant dargebrachten lehrreichen Erkenntnis, daß die Ehe kein Zuckerschlecken ist und so eine Beziehung echt Arbeit bedeutet. Was also anfangs als »Schnulze on the road« daherkommt – Bräutigam trifft auf der Reise zu seiner Braut aufregende Frau und… – entpuppt sich als einfallsreich inszenierte und in seiner Besonnenheit ungewöhliche Romanze mit Charakteren, die ausnahmsweise mal nachdenken müssen, bevor sie sich für das Ende des Films bzw. ihres Lebens entscheiden.

Ein starker Soundtrack unterstützt die ungewöhnlichen Kameraperspektiven und die mit Feingespür eingesetzte Zeitlupe in ihrem mit Bravour vollbrachten Bestreben, die Gefühlsschwankungen des emotional irritierten Bräutigams zu vermitteln. Daß zur Charakterisierung Sandra Bullocks als peppig-lebenslustige junge Frau altbekannte Klischees mit pseudoabenteuerlichen »Ich-bin-ja-so-super-extravagant-Attacken« im schrillen Videoclip-Stil veranschaulicht werden nervt zwar, sei aber aufgrund der um Zeitungsstapel interessanteren Figur des Ben Affleck noch einmal zu verzeihen. 1970-01-01 01:00
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