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Atash – Durst

Atash. ISR 2003. R,B: Tawfik Abu Wael. K: Assaf Sudri. S: Galit Shaked-Shaul. M: Wissam M. Jibran. P: Atash Partnership. D: Roba Blal, Hussein Yassin Mahajne, Amal Bweerat, Jamila Abu Hussein u.a.
110 Min. mec film ab 14.4.05

Traditionen

Von Frank Brenner Tawfik Abu Wael war zum Zeitpunkt der Realisation dieses Filmes gerade mal 26 Jahre jung. Nach einem Regiestudium an der Universität von Tel Aviv arbeitete er für einige Jahre im dortigen Filmarchiv und unterrichtete später Schauspiel in Jaffa. Seit 1997 arbeitet er als freischaffender Regisseur und hat nun mit Atash – Durst sein vielbeachtetes Langfilmdebüt vorgelegt. Damit ist ihm ein Film geglückt, der den Zuschauer mit seiner Bildsprache in seinen Bann zu ziehen versteht und auch mit einem Minimum an Dialogen und Worten fesselnd zu unterhalten weiß.

Abu Shukri lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern, zwei jungen Frauen und einem Jungen im Teenageralter, seit zehn Jahren fernab jeglicher Zivilisation, in einem zuvor leerstehenden Rohbau in von Israel besetzten Gebieten. Die ganze Familie kümmert sich um die Herstellung und den Verkauf von Kohle, was bei den Kindern zu Mißmut führt, da sie deswegen ihre schulische Ausbildung auf Befehl des Vaters zu vernachlässigen haben. Die gewohnte Routine gerät durch den Widerstand des Sohnes ins Wanken, dem es nach und nach gelingt, die restlichen Familienmitglieder auf seine Seite zu ziehen und sich gegen den Vater aufzulehnen.

Atash – Durst ist ein Film, der sich dem Zuschauer nicht durch lange Erklärungen und ausführliche Dialoge erschließt. Das Publikum wird geradezu eingeladen, zu beobachten und sich die Geschichte und deren Hintergründe selbst zusammenzureimen. Hier und da fallen Hinweise in den kargen Dialogen, die Licht auf die Zeit werfen, bevor sich Shukris Familie derart von ihrer Umwelt isolierte. Tawfik Abu Wael vermeidet es aber dennoch, sämtliche offene Fragen zu beantworten, was auch dazu führt, daß man einige Wendungen in der Handlung, insbesondere am Schluß, nicht wirklich nachvollziehen kann. Trotzdem ist es erstaunlich, mit welcher Stilsicherheit und poetischer Kraft der junge Regisseur sein Familiendrama in Szene setzt und damit das Interesse an seiner simplen Geschichte aufrechterhält. Die politischen Dimensionen, die sich bei einem Film, der im israelisch besetzten Palästina spielt, zwangsläufig aufdrängen, werden in Waels Inszenierung so weit es geht ausgeklammert und machen Platz für eine bewegend geschilderte Familientragödie, die universeller nachvollziehbar ist, obwohl sie auch eindeutig an den Kulturkreis des Nahen Ostens gebunden ist und einem interessierten Publikum wertvolle Einblicke gewähren wird. 1970-01-01 01:00
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