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Army Go Home!

Buffalo Soldiers. D/GB/USA 2001. R,B: Gregor Jordan. B: Eric Weiss, Nora Maccoby. K: Oliver Stapleton. S: Ian Seymour, Lee Smith. M: David Holmes. P: Odeon Pictures, Gorilla Entertainment u.a. D: Joaquin Phoenix, Anna Paquin, Ed Harris, Scott Glenn, Elizabeth McGovern, Dean Stockwell u.a.
99 Min. Prokino ab 31.10.02
Von Carsten Happe Ray Elwood hat den Blues. Gerade eben noch florierte sein Schwarzhandel prächtig, war der Sex mit der Frau seines Vorgesetzen unverbindlich, seine schwäbische Nobelkarosse ein nicht minder flottes Spielzeug, das Leben auf dem amerikanischen Militärstützpunkt in Süddeutschland einfach nur angenehm. Jetzt aber bricht nahezu alles auf den charmanten Hochstapler und Wendehals ein; der neue Commander, der wahrlich keinen Spaß versteht, dessen Tochter, die seinen Verstand raubt, der letzte große Deal, der ihm über den Kopf wächst – Ray Elwoods hübsch zurechtgebastelter Mikrokosmos droht zu explodieren.

Daß zeitgleich auch die alte Weltordnung aus den Fugen gerät – wir schreiben den Herbst 1989 – tangiert Elwood und seine Jungs kaum mehr als peripher, ihr teutonischer Horizont reicht gerade bis zur nächsten Autobahnausfahrt. Umso verwegener mutet daher die Ambition des australischen Regisseurs Gregor Jordan an, eine gänzlich apolitische Militärsatire zu drehen. Ihren streckenweise durchaus beißenden Witz bezieht die allzu grobschlächtige Farce allein aus ihrer grell überzeichneten Situationskomik und einer Ansammlung zunehmend eindimensionaler Karikaturen. Wenn all das nicht mehr hilft, springen die Pyrotechniker in die Bresche und sprengen auch den letzten Zweifel weg, daß dieser Hollywood-Betriebsausflug ins beschauliche Badische nur auf Sparflamme köchelt. Nein, es rummst gewaltig und fegt gleichmütig über Logikgrenzen hinweg – dies kann als Kommentar zur allgegenwärtigen Schießwut der Amerikaner gelesen werden, muß aber auch nicht.

Vielmehr geht hier ein Subgenre baden, das in den späten 60ern, frühen 70ern mit respektlosen Meisterwerken wie M*A*S*H oder Catch-22 die Kinoleinwand dem Protest öffnete. Es wird auf dem Altar der Kifferwitze und Actioneinlagen geschlachtet und anschließend vermeintlich gewinnmaximierend verhökert.

Allein Ed Harris, überzeugend gegen den Strich besetzt, sorgt für ein Glanzlicht in dieser farblosen Komödie. Sein Colonel Wallace Berman darf seine Würde und, besser noch, seine Seele behalten. Ray Elwood hat seine schon längst verkauft – auch wenn er letztlich wieder auf den Füßen landet, verdient hat er es eigentlich nicht. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #28.
© 2012, Schnitt Online

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