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Aprile

I/F 1998. R,B,D: Nanni Moretti. K: Guiseppe Lanci. S: Angelo Nicolini. D: Andrea Molaioli, Pietro Moretti u.a.
87 Min. prokino ab 22.10.98
Von Julian Tyrasa »Ich muß das filmen, was mir Spaß macht!«, sagt Nanni Moretti an einer Stelle seines neuen Films Aprile. Bei seinem letzten Film Liebes Tagebuch brachte ihm dieses Motto den Regiepreis in Cannes ein. Deshalb sieht man ihn auch in Aprile wieder mit seiner Vespa durch Rom fahren, auch das Thema ist unverändert: Nanni und wie er die Welt sah.

Das Handlungsgerüst orientiert sich abermals an seinem Leben: Es geht um geplatzte Filmprojekte, die Geburt seines Sohnes Pietro, den Wahlkampf Silvio Berlusconis und vieles mehr. Der Zuschauer erfährt, wie Moretti lebt und was er denkt – sonst nichts. Alle formalen Elemente wie der Einsatz von Zwischentiteln und die Musikauswahl verraten, daß Nanni Moretti gerne Woody Allen wäre. Davon aber ist er meilenweit entfernt: Die Dialoge sind nicht geistreich, sondern geschwätzig, die Bilder versprühen den Charme des deutschen Autorenfilms, Regie und Schnitt fehlen jegliches Gespür für Timing, und alle Ansätze zu Poesie und Tiefgang werden von Morettis Drang zur Selbstdarstellung im Keim erstickt.

Als er in einer Szene die Orte seiner Kindheit aufsucht, wundert sich Nanni Moretti darüber, wie wenig diese Erinnerungen in ihm auslösen: »Ich muß weder weinen noch ein schlechtes Gedicht schreiben.« Hätte er sich doch auf eines von beiden beschränkt; leider hat er stattdessen einen Film gedreht, der in seiner Eitelkeit ärgerlich ist. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #12.
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