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Apostel

The Apostle. USA 1997. R,B,D: Robert Duvall. K: Barry Markowitz. M: David Mansfield. S: Stephen Mack. D: Farrah Fawcett, Billy Bob Thornton u.a.
134 Min. Arthaus ab 8.10.98
Von Julian Tyrasa Über zehn Jahre rannte Robert Duvall mit seiner Idee zu dem Film Apostel! gegen verschlossene (Studio-)Türen, bis er sich dazu entschloß, das Projekt im Alleingang zu realisieren. Trotz seiner uramerikanischen Motive erzählt der Film seine Geschichte eher europäisch: Der Handlungsverlauf folgt mehr der Entwicklung der Hauptfigur als vorhersehbaren Drehbuchrezepten, die Darsteller haben viel Freiraum zum Improvisieren, Licht und Kameraführung sind unaufwendig, oft beinahe dokumentarisch, auch die Filmmusik ist frei vom üblichen Hollywood-Pathos und beschränkt sich auf begleitende Cajun-Klänge – kurz: Der Film scheint stark von Neorealismus und »cinéma vérité« beeinflußt.

Der Wanderprediger Euliss »Sonny« Dewey (Robert Duvall), der sich »Der Apostel« nennt, wird dem Zuschauer mit all seinen Widersprüchlichkeiten vorgestellt: Sein Privatleben ist zerrüttet. Er versucht das zu kompensieren, indem er wie manisch alle Menschen zum Glauben bekehren will. Es ist eine der großen Qualitäten des Films, daß er dieses Verhalten weder moralisch bewertet noch zu erklären versucht. Leider häufen sich gegen Ende des eindeutig zu langen Films die Szenen, in denen er zwar sein schauspielerisches Talent erneut unter Beweis stellen kann, die aber die Handlung auf der Stelle treten lassen und die Geduld des Zuschauers arg strapazieren. Apostel! ist nicht das Meisterwerk, das man nach seiner Entstehungsgeschichte erwartet hätte, aber ein außergewöhnlicher Film. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #12.
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