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Anything Else

USA/GB/F 2003. R,B: Woody Allen. K: Darius Khondji. S: Alisa Lepselter. P: Gravier, Perdido, DreamWorks, Granada, Canal+. D: Woody Allen, Jason Biggs, Christina Ricci, Stockard Channing, Danny DeVito, William Hill, Fisher Stevens u.a.
108 Min. Alamode Film ab 2.9.04

Ein Uhrwerk an Qualität

Von Frank Brenner Auf Woody Allen kann man sich verlassen. Der mittlerweile knapp 70jährige amerikanische Autorenfilmer stellt seit 35 Jahren mit schöner Regelmäßigkeit Film um Film fertig, erzählt dabei sehr häufig ähnliche Geschichten, ohne daß es auf die Dauer langweilig geworden wäre oder er sich wiederholen würde. Seine Filme erfreuen sich vor allem hierzulande großer Beliebtheit, weswegen es umso unverständlicher anmutet, warum es sein vorletzter Film »Hollywood Ending« aus dem Jahr 2002 bislang nicht geschafft hat, in Deutschland einen Verleih zu finden. Immerhin lief der Film damals sogar als Eröffnungsfilm in Cannes. Angesichts der Tatsache, daß sein Nachfolger Anything Else nun startet, kann man als Woody-Allen-Fan wieder optimistischer in die Zukunft blicken.

Auch bei diesem Film bleibt sich der kleine jüdische Intellektuelle mal wieder treu. Schon wenn der schlicht wie eh und je mit weißen Lettern auf schwarzem Grund gestaltete Vorspann zu beschwingten Jazzklängen einsetzt, fühlt man sich ganz wie zu Hause. In der ersten Einstellung sehen wir den Regisseur selbst im Gespräch mit dem aus American Pie bekannten Teenieschwarm Jason Biggs. Die beiden spielen jüdische Intellektuelle, die sich ihren Unterhalt mit Gagschreiben für Stand-Up-Comedians verdienen. Der versierte Allen-Kenner wird hier natürlich Parallelen mit dem jungen Woody ausmachen, und es fällt kaum schwer, Biggs in der Rolle eines jungen Alter Egos des Regisseurs zu akzeptieren. Das liegt nicht nur daran, daß er echte Allen-Dialoge rezitieren darf und damit die Gemeinsamkeiten auf der Hand liegen. Der Filmemacher Woody Allen hat darüber hinaus auch wieder einmal ausgezeichnetes Gespür dafür bewiesen, einen Darsteller zu casten, der einem für eine solche Rolle wohl nicht als erstes in den Sinn gekommen wäre – und sich entgegen aller Bedenken vorzüglich in die kleine, überschaubare Welt des New-York-Liebhabers einfindet.

Die Story kreist, wie könnte es in Allens Universum auch anders sein, um Beziehungsprobleme, die Suche nach dem Sinn des Lebens, die Ängste vor dem Versagen und dem Tod, um Psychiater, Intellektuelle und New York. Auch wenn Allen bei seinen Filmen nur selten über seinen Tellerrand hinaussieht, hat er immer wieder neue filmische Wege gesucht und mit ungewöhnlichen Erzählweisen zu überraschen verstanden. Sei es die Vermischung aus filmischer Fiktion und (filmischer) Wirklichkeit (Zelig, The Purple Rose of Cairo), sei es das Experimentieren mit der Handkamera (Husbands and Wives) oder das Aufbrechen filmischer Erzählkonventionen (Deconstructing Harry). Auch bzw. gerade im Alter hat Woody Allen immer wieder neue Wege ausprobiert und damit erfolgreich verhindert, daß er sich auf seinen Lorbeeren ausruht und einrostet. In Anything Else sind diese Experimente etwas verhaltener und vielleicht weniger originell, es gelingt ihnen aber dennoch, einer an sich alltäglichen Beziehungsgeschichte interessante Aspekte hinzuzufügen. Der Protagonist Jason Biggs spricht immer wieder direkt in die Kamera, nachdem bzw. noch während er in einer Szene agiert. Dieses aus dem Theater geläufige Beiseitesprechen erhält durch Allens Inszenierung jedenfalls eine frische, gelungene Neuinterpretation. Glanzstück des Films bleibt jedoch der Einsatz eines Split Screens, bei dem durch eine simple Bildüberlagerung drei Handlungselemente gleichzeitig gezeigt werden, die sich gegenseitig beeinflussen, perfekt aufeinander abgestimmt sind und von einer umwerfenden Situationskomik getragen werden. Auf der Intellekt- und Humorebene ist Allens 34. Film jedenfalls so gut und überzeugend wie (fast) alle seine Vorgänger – auf Woody kann man sich eben verlassen. 1970-01-01 01:00
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