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Antwone Fisher

USA 2002. R: Denzel Washington. B: Antwone Fisher. K: Philippe Rousselot. S: Conrad Buff. M: Mychael Danna. P: Mundy Lane. D: Derek Luke, Denzel Washington, Joy Bryant, Salli Richardson, Novella Nelson, James Brolin u.a.
120 Min. Fox ab 12.6.03.

Solide Bio-Kost

Von Frank Brenner Filme, die in ihrem Titel schon verkünden, daß sie die Geschichte von dieser oder jener Person erzählen und sich damit den Stempel der Authentizität aufdrücken, kennt man aus dem US-Fernsehen mittlerweile auch in Deutschland zur Genüge. Reißerische TV-Movies, die aus dramaturgischen Gründen ihre Höhepunkte immer vor der nächsten Werbeunterbrechung plazieren und deren Inhalte man zumeist schon kurze Zeit später wieder vergessen hat. Denzel Washingtons Regiedebüt erzählt auch eine solche »wahre« Geschichte, und wenn man auch Parallelen zu ähnlich gearteten Fernsehfilmen ziehen kann, hat Antwone Fisher doch mehr zu bieten.

Washington hat den Film auf angenehm altmodische Weise inszeniert. Es handelt sich um eine der ruhigsten und unspektakulärsten Hollywoodproduktionen seit langem, deren Soundtrack fast ausschließlich aus den Dialogen ihrer Protagonisten besteht. Es wird also viel geredet, und weil Antwone Fishers Lebensgeschichte interessant ist, hört man auch gerne zu.

Sein Vater wurde schon vor Antwones Geburt von einer seiner Ex-Geliebten erschossen, und seine Mutter gab dann schließlich den zweimonatigen Säugling in die Obhut einer gewalttätigen Pflegefamilie. Das geschundene Kind bekam in jenen frühen Tagen seiner Kindheit so manchen Knacks ab, der ihm auch zwanzig Jahre später noch zu schaffen macht. Der junge Mann neigt zu Gewaltausbrüchen und war bislang nicht in der Lage, eine Frau zu lieben, da er die körperliche Berührung scheut. Grund dafür ist die wiederholte Vergewaltigung des kleinen Jungen im Haus seiner Pflegeeltern durch eine erwachsene Frau.

Diese in Filmen bislang selten thematisierte Variante des Kindesmißbrauchs wird von Washington auf einfühlsame, optisch sehr zurückhaltende Weise inszeniert – er erliegt keinesfalls dem aufdringlichen Voyeurismus seiner Fernsehkollegen. Der letztjährige Oscar-Gewinner übernimmt in seinem ersten selbstinszenierten Film für Antwone die Rolle des väterlichen Freundes, die dieser eher widerwillig in dem Navypsychiater für sich erkennen muß, der ihn aufgrund einiger tätlicher Ausschreitungen zwangsweise behandelt. So erzählt Antwone Dr. Davenport und gleichzeitig dem Kinopublikum (teilweise in Rückblenden) seine Lebensgeschichte.

Gegen Ende des Films, wenn sich einige der Probleme zu lösen beginnen und man sich mitunter in einer Art Märchenverfilmung wähnt, stellen sich aufgrund der aufdringlichen Rührseligkeit die meisten Gemeinsamkeiten zu öder Fernsehkost ein. An dieser Stelle sollte man die Taschentücher zücken und über den kleinen Ausrutscher hinwegsehen. Ansonsten ist der Film nämlich handwerklich sehr solide und professionell inszeniert und hat zudem mit Derek Luke in der Titelrolle einen vielversprechenden Jungschauspieler vorzuweisen, dem es mit Leichtigkeit zu gelingen scheint, neben altverdienten Stars wie Washington zu bestehen und das Interesse des Zuschauers an seiner Figur sicherzustellen. 1970-01-01 01:00
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