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Antares – Studien einer Liebe

A 2004. R,B: Götz Spielmann. K: Martin Gschlacht. S: Karina Ressler. M: Walter W. Cikan, Marnix Veenenbos. P: Lotus-Film, Teamfilm. D: Petra Morzé, Andreas Patton, Hary Prinz u.a.
119 Min. Zorro ab 14.7.05

Alles im Eimer

Von Dietrich Brüggemann Das Verlassen des Kinos bei laufendem Film ist ein privater Verweigerungsakt, zu dem man sich selten aufschwingt. Hat die Flucht aus Theater, Konzert oder Oper noch demonstrativen Protestcharakter, so läuft der Weggang aus dem Kino ins Leere, denn der Adressat ist ja nicht da, und der Rest der Anwesenden ist desinteressiert. Wer da geht, tut es ganz für sich aus der traurigen Einsicht: Sogar das da draußen ist besser als das da vorn.

Antares handelt von Menschen, die sich wechselweise anöden, anschreien und anekeln, und zwar, das sollte man nicht unerwähnt lassen, in Wien. Eine Krankenschwester betrügt ihren langweiligen Mann mit einem Langweiler, der genauso aussieht wie ihr langweiliger Mann, sie ficken, rammeln, vögeln und öden sich an, dann geht sie nach Hause und ödet ihren Mann an. Eine Nachwuchsblondine ödet sich in ihrem Supermarktjob selber an, dann schreit sie ihren Freund an, auf den sie zu recht krankhaft eifersüchtig ist, denn der betrügt sie mit einer Etagenwohnungsnutte und ekelt sich dann wieder allein an oder auch mit ihr und allen anderen. Das Ganze spielt in einer deprimierenden, um nicht zu sagen: kotzhäßlichen Betonsiedlung.

Nach zehn Minuten weiß man Bescheid und nach einer Stunde ist die Message immer noch die gleiche wie meistens im österreichischen Kino: Alles im Eimer. Alles wurscht. Ist nämlich eh alles im Eimer und daher ja auch alles wurscht. Das mag ja zutreffen, zumindest in Wien, aber die Ärzte haben auf ihrem letzten Album ein Lied, da heißt es: »Behalt den Kram für dich, es interessiert mich nicht«, und das trifft auch zu. Ebenso wie die erste Platte der Sportfreunde Stiller, die den Titel trägt: »Macht doch, was ihr wollt – ich geh jetzt.« 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #39.
© 2012, Schnitt Online

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