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Angel Express

D 1998. R,B,D: RP Kahl. K: Sönke Hansen. S: Silke Botsch, Matz Müller. M: Tom Weitemeier, Olli Kuntzer, Claus Pieper. D: Chris Hohenester, Doreen Jacobi, Laura Tonke, Eva Habermann, Wilfried Hochholdinger u.a.
85 Min. Independent Partners ab 25.3.99
Von Oliver Baumgarten Rasant fliegt die Kamera zu raschen Techno-Beats über eine Berliner Autobahn und wird so zum visuellen Äquivalent der rastlosen Figuren, die der Leere ihres Lebens durch Ultimatives beizukommen suchen. Die offenkundige Dynamik ihres Tuns verdeckt die persönliche Stagnation nur dürftig, und so bedarf es immer wieder neuer Stimulationen, um die kalte Einsamkeit zu beschäftigen. Verbindendes Glied zwischen Rolf Peter Kahls urbanen Twens ist ein Revolver. Silbern glänzend wie die Quelle lunatischer Verheißung spendet er den Figuren kurzzeitige Abwechslung, um am Ende seinen eigentlichen Zweck zu erfüllen, indem er Patricks Stagnation mortale Endgültigkeit verleiht.

Die Beiläufigkeit gerade jener Szene gelingt Kahl ausgesprochen perfekt. Es ist eine Szene, die eine Stimmung auf den Punkt zu bringen vermag, die sich schon zuvor in der faszinierenden Lichtgestaltung, in den an Kontakt nicht armen, aber sich im Grunde vor Kontakt fürchtenden Figuren und in den wenig heimeligen Settings andeutet. Einsamkeit, Kälte und die ewige Suche nach Lebensinhalten – all das wird irgendwann zum Inhalt selbst, zum Lebensziel von Kahls Figuren. Rolf Peter Kahl entwirft mit seinem Film Konzepte eines Lebensgefühls, das in dieser unerbittlichen Konsequenz im deutschen Film einmalig sein dürfte. Die Frage nach einer moralischen Wertung stellt sich in keinem Moment, Angel Express zeigt Ausschnitte aus mehreren Leben, aus mehreren fiktionalen Leben. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig…? 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.
© 2012, Schnitt Online

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