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Angel-A

F 2005. R,B: Luc Besson. K: Thierry Arbogast. S: Stéphanie Pedelacq, Frédéric Thoraval. M: Anja Garbarek. P: EuropaCorp., TF1 Films, Apipoulai. D: Jamel Debbouze, Rie Rasmussen, Gilbert Melki, Serge Riaboukine u.a.
91 Min. Tobis ab 25.5.06

Wunder gibt es immer wieder

Von Christian Lailach Nenne vier bekannte Bauwerke in Paris! Eiffelturm, anläßlich der Weltausstellung 1889 erbaut. Richtig. Arc de Triomphe, auf der Axe historique, die Louvre und Grande Arche verbindet. Ja. Notre-Dame, Gotik, heißt »Unsere Dame«. Beeindruckend. Sacré-Cœur, auf dem Montmartre. Korrekt. Bestanden. Setzen!

Für alle, die sämtliche Sehenswürdigkeiten Paris' nicht kennen, für alle die hat Besson einen Engel in Gestalt der schlanken aufreizenden Angela gerufen. Sie nimmt sich des suizidgefährdeten Tagediebs André an und zeigt selbigem seine wundervolle Stadt. Da dies ihn vielleicht vom Freitod abhielte, jedoch nicht die Bösewichte, die nach seinem Leben trachten, organisieren beide mal hier, mal da das so eilig benötigte Geld für Andrés Gläubiger oder überzeugen diese Halunken auf reizvolle Weise von der Stundung seiner Verbindlichkeiten. Ganz beiläufig erkennt dieser dabei, daß Ideen, mitunter auch ehrliche, das Leben tatsächlich lebenswerter machen. Als kalorienreiches Dessert gibt es für André noch eine anständige Portion neues Selbstwertgefühl obendrauf. Versteht sich von selbst.

Nun fix die eineinhalb Stunden in ein prächtiges, grobkörniges Schwarzweiß getüncht, Garbarek um ein paar schräge Töne gebeten – et voilá, das Publikum ist begeistert! Die Männer versuchen derweil, der Rasmussen unter das Röckchenchen zu spähen; währenddessen die Frauen in den Kellerfenstern der dunkeln Gassen Paris' nach Amélie Ausschau halten. Daß Besson hier, abgesehen vom kulturellen Vorschlaghammer, tatsächlich mit einfachen Mitteln klare, geradlinige, beinahe kunstvolle Bilder zeichnet, scheint der kleine Wermutstropfen in den sonst in jeder Hinsicht von Anspruch verschont gebliebenen Film.

Ach, den fulminant inszenierten Abgang sollte ich noch erwähnen. Wenn du schon zusammenpackst, wecke doch bitte deinen Nachbarn. Zeitlich gut abgestimmt erschiene ihm sein Nickerchen wie der als wohltuend gepriesene Sekundenschlaf. Adieu! 1970-01-01 01:00
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