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An Deiner Schulter

The Upside of Anger. USA 2004. R,B,D: Mike Binder. K: Richard Greatrex. S: Steve Edwards, Robin Sales. M: Alexandre Desplat. P: Media 8 Entertainment. D: Joan Allen, Kevin Costner, Erika Christensen, Evan Rachel Wood, Keri Russell, Alicia Witt u.a.
118 Min. Tobis ab 7.7.05

Im Delirium

Von Frank Brenner Viele Kinozuschauer rümpfen schon pikiert die Nase, wenn sie auf der Besetzungsliste eines neuen Films den Namen Kevin Costner entdecken. Der Mann steht wie kaum ein anderer für angestrengten Machismo, unzureichende darstellerische Leistungen und einige der größten Flops der Hollywoodindustrie. Auch wenn man die wirklich guten Rollen des unlängst 50 Jahre alt gewordenen Kaliforniers an einer Hand abzählen kann, mischt er im Business der Traumindustrie weiterhin ganz oben mit. Um so erstaunter darf man dann sein, wenn mit An Deiner Schulter ein Independentfilm größeren Zuschnitts anläuft, in dem Kevin Costner die zweite Hauptrolle dermaßen überzeugend spielt, daß er selbst neben der wie immer grandiosen Joan Allen problemlos bestehen kann.

Allen spielt Terry Wolfmeyer, Mutter von vier fast erwachsenen Töchtern, die in der Mitte ihres Lebens von ihrem Ehemann sang- und klanglos für eine schwedische Sekretärin im Stich gelassen wird. Ihren Mißmut versucht sie im Alkohol zu ertränken. Diese Zuflucht eint sie mit dem ehemaligen Baseballspieler Denny Davies, der durch das verpfuschte Leben nach seiner Profikarriere ebenfalls zum Alkoholiker geworden ist.

Mike Binders Film zeichnet das subtile, von einem weisen Humor geprägte Porträt einer Familie am Wendepunkt. Sein Drehbuch läßt Platz für die Probleme des im Delirium lebenden Paares in der Midlife Crisis, denn Terry und Denny werden sich durch ihre Seelenverwandtschaft in Folge emotional immer näherkommen. Auch das Schicksal der vier heranwachsenden Töchter, die sich mit den Problemen der ersten Liebe, der Abnabelung vom Elternhaus, dem Selbstverwirklichungsdrang und Minderwertigkeitsgefühlen herumschlagen müssen, wird in Binders packender und durchdachter Inszenierung stets der angemessene Raum zur Verfügung gestellt.

Doch wer bei dermaßen deprimierenden und ernsten Themen ein schwer verdauliches Rührstück erwartet, wird abermals positiv überrascht. Dem Autorenfilmer, dessen bisherige Arbeiten (Indian Summer, Love Affairs, The Search for John Gissing) hierzulande kaum jemandem bekannt sind, ist schon häufig die lockere Verknüpfung von Komödie und Drama gelungen. Und so kann er auch wieder in An Deiner Schulter genügend skurrile, kluge und überaus komische Brüche einbauen, die die Tiefe der Geschichte wirkungsvoll kontrastieren und Binders neuen Film erneut zu einem hintersinnigen, hervorragend gespielten Drama werden lassen. 1970-01-01 01:00
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