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Amores Possíveis – Mögliche Lieben

Amores Possíveis. BRA 2001. R: Sandra Werneck. B: Paulo Halm. K: Walter Carvalho. S: Isabelle Rathery. M: Joao Nabuco. P: Cineluz Producoes u.a. D: Murilo Benicio, Carolina Ferraz, Emilio de Mello u.a.
93 Min. Kool ab 31.7.03

Dreimal Leben

Von Matthias Grimm Zu Beginn von Amores Possíveis steht Carlos im Kino. An dem Ort, wo Menschen stellvertretend für uns auf der Leinwand ein Leben vorleben, das wir selbst nicht führen, aber an dem wir allein durch unsere Anwesenheit beteiligt sind. Im Kino enden die Geschichten irgendwann, und danach geht das Leben weiter. Doch Carlos' Leben wird sich verändern, denn Julia wird zu ihrer Verabredung nicht erscheinen. Was bleibt, 15 Jahre später, ist eine Erinnerung, der Traum davon, daß alles anders hätte kommen können. In drei parallel ineinander montierten Episoden breitet die brasilianische Regisseurin Sandra Werneck drei Lebensentwürfe Carlos' vor uns aus: In der einen ist er zum Ehemann geworden, in der anderen homosexuell, in der dritten Dandy. Leben, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber die ihn alle auf die eine oder andere Weise mit derselben Situation konfrontieren: der Begegnung mit Julia.

Abseits von abgegriffenen Klischees sucht der Film nach Antworten auf Carlos' Trilemma in einem Akt der Selbstfindung, welche sich nur aufgrund der Zäsur dieser letzten 15 Jahre durchführen läßt. Es zeichnet Amores Possíveis aus, daß er den Menschen und sein Handeln nicht als Ergebnis von unbedeutenden Zufällen erscheinen läßt, sondern ihn als Produkt seiner individuellen Vergangenheit beschreibt. Das macht die einzelnen Geschichten und Schicksale nicht nur jede für sich so verschieden und ergreifend, sondern gibt dem Film selbst eine zutiefst tragische Dimension. Am Ende kehrt Carlos zurück ins Kino, und wir wissen: Gleich wird auch unser Leben weitergehen – auf die eine oder andere Weise. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #31.
© 2012, Schnitt Online

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