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American Pie 2

USA 2001. R: J.B. Rogers. B: Adam Herz. K: Mark Irwin. S: Larry Madaras, Stuart Pappé. M: David Lawrence. P: Zide, Perry Entertainment. D: Jason Biggs, Shannon Elizabeth, Alyson Hannigan, Chris Klein, Natasha Lyonne, Tara Reid, Seann William Scott, Mena Suvari, Eugene Levy u.a.
105 Min. UIP ab 27.9.01
Von Carsten Happe Die Infantilisierung des Jugendkinos hat kaum ein anderer Film dermaßen vorangetrieben wie American Pie. Ebenso hatte kein Teeniefilm der vergangenen Jahre mehr Zuschauer, insbesondere in Deutschland. Den Erfolg allein an der Zurschaustellung pubertären Unvermögens und offenkundiger Debilität festzumachen, trifft jedoch meines Erachtens nicht den Kern.

Vielmehr entwirft der Film in der Modellhaftigkeit des Figurenensembles ein derart breit angelegtes Identifikationsangebot, das kaum einen Betrachter außen vor läßt – mehr noch: den Zuschauer gewissermaßen einlädt, selbst eine Rolle innerhalb der Typologie zu übernehmen. Des Filmbildes als Verlängerung der Freizeitumgebung Jugendlicher hat sich kaum ein Film so konsequent bemächtigt wie American Pie.

Seit dem Erscheinen des ersten Teils sind mittlerweile zwei Jahre vergangen. Gewöhnlich keine lange Frist für eine Fortsetzung, für American Pie 2 jedoch eine Ewigkeit. Zwischendurch hat das Genre der Teenie-Komödien zahllose Schlappen hinnehmen müssen – zusammengeschluderte Filmchen wie Tomcats oder Ey Mann, wo is' mein Auto!!?, deren Halbwertzeit nur knapp über dem eines Ballermann-Sommerhits liegt. Noch gravierender allerdings: die Charaktere aus American Pie sind älter geworden. In Pie 2 ist diese Zeitspanne zwar auf ein Jahr halbiert worden, doch die erste Hälfte des Films mutet an, als seien die männlichen Protagonisten aus der Pubertät geradewegs in die Midlife Crisis geschliddert. Unerträglich larmoyant werden nicht vorhandene Beziehungen seziert, der Rhythmus des Films regelrecht totgelabert. Allein in den – weitläufig verstreuten – (Sex-) Actionszenen blitzen streckenweise etwas Tempo und Witz auf, allerdings werden hier lediglich Fragmente des ersten Teils imitiert, die Wiederholung der Pointen zum Prinzip erhoben. Durch die Fokussierung auf die Erlebniswelt der männlichen Protagonisten verliert Pie 2 zudem seinen Broad Appeal; aus dem Ensemblestück ist eine Jungsclique mit Damenbesuch geworden.

Die Ansiedlung der Szenerie zwischen Ferienhaus und Sommercamp schließlich zeigt zumindest eines deutlich: Über Meatballs sind wir nie hinweggekommen. 1970-01-01 01:00
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