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American Outlaws

USA 2001. R: Les Mayfield. B: Roderick Taylor, John Rogers. K: Russell Boyd. S: Michael Tronick. M: Trevor Rabin. P: Morgan Creek. D: Colin Farrell, Scott Caan, Timothy Dalton, Gabriel Macht u.a.
93 Min. Concorde ab 15.8.02
Von Matthias Grimm Das amerikanische System funktioniert deswegen so gut, weil es in erster Linie als Idee, als Idealismus, als Ideologie existiert. Als Idee vom Volk, als Idee vom Staat als Über-Vater, als Idee von Recht und Gesetz, an das wir uns nicht halten, sondern an das wir nur »glauben« müssen, genau wie wir an allen Ecken und Enden »in Gott vertrauen«. »Es gibt kein Gesetz, nur Gerechtigkeit«, bringt Jesse James in American Outlaws diese These in eine simple Formel und spricht damit, alle moralischen Problematiken mißachtend, die Selbstjustiz als natürliches Recht jener Idee vom Volk zu.

Dieses natürliche Recht tritt offenbar dann in Kraft, wenn der Staat in seiner Funktion als Beschützer des Volkes versagt, bzw. sein Gewaltmonopol dahingehend mißbraucht, daß er dem Volk jene Gewalt antut, um mehr Macht zu erhalten. Der beste Weg, das hat Robin Hood vorgemacht, um zu rebellieren, ist, sich nicht lange mit politischen Demonstrationen aufzuhalten, sondern: Banken zu überfallen. Und Rache zu üben. So nebenbei. Das bedient eine weitere Idee, die des Helden. Was haben große Regisseure aus solchen Themen nicht einst für große Filme gemacht… Heute ist alles anders. Große Regisseure drehen keine Western mehr, und das Publikum weiß mit minutenlangen Einstellungen von leeren Bahnhöfen nichts anzufangen.

Statt dessen bewegen sich junge Modeltypen in Zeitlupe durch Kugelhagel, bringen an die drei bis vier One-Liner pro Minute, verlieben sich und schießen den Rest der Zeit, falls sie sich nicht gerade auf den Dächern von Zügen prügeln. Der Vergleich mit Young Guns liegt von der ersten Sekunde an auf der Hand, doch selbst gegen diesen zieht American Outlaws den Kürzeren. Während Ersterer es als anarchisches Vergnügen ansah, aus dem Urgeistein des amerikanischen Mythos ein lautes Pop-Vehikel zu machen, kokettiert Letzterer nur damit, bedient blind Stereotypen mit der Ausrede, daß Western so zu funktionieren haben. Leider, und das ist das wirklich Tragische, entspricht dies genau der amerikanischen Idee vom Film. »Es gibt kein Gesetz, nur Gerechtigkeit«, und deswegen bekommen wir auch die Filme, die wir verdienen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

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