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American Dreamz – Alles nur Show

American Dreamz. USA 2006. R: Paul Weitz, Chris Weitz. B: Paul Weitz. K: Robert Elswit. S: Myron Kerstein. M: Craig Eastman, Joe Lervold u.a. P: Universal Pictures, Depth of Field Productions. D: Hugh Grant, Dennis Quaid, Mandy Moore, Willem Dafoe u.a.
107 Min. UIP ab 15.6.06

George Bush Superstar

Von Mary Keiser Der amerikanische Traum hat sich ausgeträumt. Nicht erst durch Michael Moore weiß jeder, daß im »Land der unbegrenzten Möglichkeiten« dieselben für den Normalbürger doch sehr begrenzt sind. Regisseur Paul Weitz karikiert den zur Farce verkommenen »American Dream«, ursprünglich Ausdruck des uramerikanischen zähen und unabhängigen Entdeckergeistes, der nun in Casting Shows als Produkt vermarktet wird. Auch die TV-Show American Dreamz, dem Original American Idol nachempfunden, will den mythischen Traum reanimieren und führt ihn dadurch ad absurdum. Der Tellerwäscher schafft den Aufstieg nicht mehr aus eigenem Antrieb, sondern wird von der höheren Macht der Show-Produzenten ausgewählt, blamabel vorgeführt und dadurch zum Millionär gemacht.

In bester Team America – World Police-Tradition werden alle Negativklischees drastisch überspitzt, anti-amerikanische Vorurteile vorweg- und damit gleich der europäischen Arroganz die Luft aus den Segeln genommen. Im Film agieren ausnahmslos Stereotypen, deren Namen für sich sprechen. Hugh Grant macht sich hervorragend als aalglatter Schnösel Martin Tweed, der die Kandidaten für seine Show selbst aussucht: Sally Kendoo, die blonde, propere Unschuld vom Lande (Ohio) und Vorzeige-»Miss America« geht bei der zielstrebigen Verwirklichung ihres Traums wenn schon nicht über Leichen so doch zumindest über die Gefühle ihres devoten Freundes William Williams. Dieser wird »Show-wichtig«, als er kaum im Irak dem Flieger entstiegen schon verwundet als Kriegsveteran heimgeschickt wird und fortan seine medienwirksame Army-Uniform nicht mehr ausziehen darf, ebenso wie Sholem, der selbst beim Rappen auf der Bühne seine Kippa aufbehält. Die beiden Gegenpole der neuen Weltordnung wandeln als der frisch aus dem Ausbildungslager an der afghanisch-pakistanischen Grenze rekrutierte Omer und als unter Medikamente gesetzter, hilfloser President Staten durch den Film.

Die Komik liegt in der hemmungslosen Übertreibung, Satire mit dem Holzhammer, z.B. wenn das gesamte Weiße Haus verwirrt ist, weil der Präsident als Folge eines Nervenzusammenbruchs plötzlich auf die Idee verfällt, Zeitung zu lesen. Und dann auch noch eine kanadische!

Amerikanische Selbstironie überrascht so sehr, daß man gar nicht viel mehr braucht, um sich köstlich zu amüsieren, doch schafft sie es gewöhnlich nicht über die natürlichen Grenzen der Atlantik- und Pazifikküste hinaus. Wo im Film der »American Dream« entlarvt wird, erstrahlt der Mythos des »Melting Pot« in neuem Glanz. War uns doch immer schon klar, daß auch die Araber im Grunde von Amerika, d.h. Whirlpools, Orangensorbets und Broadway-Musicals, träumen und nur von Neid getrieben terroristische Anschläge planen. Genau darauf fußt die in American Dreamz entwickelte Sympathie für die Bin Laden-Karikaturen, dümmlich, aber irgendwo auch menschlich. Verwirklicht hat am Ende nicht nur Sally Kendoo ihren Traum, sondern auch Omer, der zum guten Amerikaner avanciert ist. Am treffendsten formulierten es immer noch die Borg: »Sie werden assimiliert werden«.

Auch bleibt der Film insofern brav, als daß er nicht selbstreflexiv die »Traum-Fabrik« Hollywood aufs Korn nimmt, sondern die Medienkritik wie so oft aufs Reality-TV beschränkt. Obwohl oder vielleicht gerade weil die Kritik nicht wirklich beißt, kann man auch über die eigenen auf dem Silbertablett servierten Vorurteile lachen. Besonders, als der Präsident Gaststar in der Show ist und seine rechte Hand ihm per Funk die Rede eingibt. Absehbar zwar, was dann passiert, aber lohnenswert seine Botschaft, als das Funkgerät ausfällt: »The problems in Middle East will never be solved. Never. Never. Never.« 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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