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Almost Famous

USA 2000. R,B: Cameron Crowe. K: John Toll. S: Joe Hutshing, Saar Klein. M: Nancy Wilson. P: DreamWorks, Vinyl Films. D: Billy Crudup, Frances McDormand, Kate Hudson, Philip Seymour Hoffman u.a.
123 Min. Columbia ab 3.5.01

Stardust Memories

Von Frank Brenner Wer ist cool, und wer ist es nicht? Rockstars, die ganze Heerscharen von Groupies anlocken, welche sich hier lieber »Band Aids« nennen, sind auf jeden Fall cool. Im Jahr 1973, in dem Cameron Crowes Film angesiedelt ist, war das Verhältnis der Öffentlichkeit zu den Idolen des Rock'n'Roll noch ein anderes als heute.

Das Verhältnis zur Musik war wohl ganz allgemein noch intensiver, schließlich lag damals der Höhepunkt der Jugendprotestbewegung und der Flower-Power-Rebellion mittels Musik und LSD noch nicht so lange zurück. Neben den wirklich coolen Musikern gab es aber 1973 wie heute eine Gruppe Menschen, die gerne zu diesem auserlesenen Kreis gehört hätten, es aber nicht schafften: die Musikrezensenten. Und die sind eben nicht cool.

Almost Famous erzählt die liebenswerte Geschichte des 15jährigen William Miller, der aufgrund glücklicher Umstände die Tournee einer aufstrebenden Rockband begleiten und dazu die Coverstory fürs Rolling Stone-Magazin schreiben darf. Cameron Crowe holt dabei ähnlich weit aus wie bei seinem Footballepos Jerry Maguire und präsentiert dem interessierten Zuschauer ein komplexes und atmosphärisch stimmiges Porträt einer Schar von Charakteren, die durch ihr Faible für Rockmusik in den 70er Jahren aufeinandertreffen. In detailgetreu rekonstruierten Settings wird eine vergangene Ära der schrillen Farben und psychedelischen Muster heraufbeschworen und mit einer Handvoll verwahrloster Hauptdarsteller zum Leben erweckt. Cameron Crowe, der mit seinem Film Singles den Grungelook weltweit bekannt machte, darf auch hier wieder den langen, verfilzten Haaren frönen. Aber die 70er Jahre in Almost Famous definieren sich nicht nur über die Optik. Grandiose Kameraeinstellungen sind nämlich mitunter nur wenige Sekunden im Bild und weichen einer rasanten Schnittechnik. Wie man es von einem guten Musikfilm erwarten kann, sind es die Songs, die das Geschehen lenken und das Tempo der Handlung bestimmen. Led Zeppelin, The Who, Elton John und Neil Young tragen auf dem Soundtrack dazu bei, daß ein vergangenes Lebensgefühl wieder erfahrbar wird. Die Lieder der fiktiven Rockband Stillwater, die im Zentrum des Geschehens steht, fügen sich dabei nahtlos in den Klangteppich aus bekannten Klassikern ein. Peter Frampton hat die meisten davon komponiert und genauso authentisch wirken lassen wie die Originale.

Crowe nimmt sich die Zeit, die er benötigt, um die Figuren seiner Geschichte plastisch werden zu lassen. Er zeigt uns die Gefühlskälte und Selbstverliebtheit, aber auch die Verletzlichkeit der Menschen, die im Backstage-Bereich hinter den Masken der Rockstars hervorkommen. Billy Crudup gibt der schillerndsten dieser Personen ein Gesicht. Weit beeindruckender ist indes das Spiel des Newcomers Patrick Fugit, der eine ungemein lockere Ausstrahlung und ein sympathisches Talent besitzt, das dem Film eine natürliche Leichtigkeit verleiht. Und dann ist da noch die grandiose Frances McDormand, die die Karikatur einer konservativen Pädagogenmutter darstellt und den anderen Schauspielern bei jedem ihrer Auftritte die Show stiehlt. Der Humor, der in ihrer Rolle angelegt ist und von McDormand in genialer Weise ausgespielt wird, durchzieht den gesamten Film. 1970-01-01 01:00

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