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Alles Bob

D 1999. R: Otto Alexander Jahreiss. B: Markus Hoffmann, Otto Alexander Jahreiss. K: Egon Werdin. S: Katharina Schmidt. D: Martina Gedeck, Gregor Törzs, Tonio Arango, Hans-Peter Hallwachs u.a.
96 Min. Helkon ab 3.6.99
Von Thomas Warnecke Alles super! In einer Woche soll es soweit sein: Bob wird Claudia, reiche und gelangweilte Tochter eines Bankmanagers, zum Traualtar führen. Ihretwegen oder vielmehr ihres Geldes wegen hat er sich eine Biographie als Sohn des deutschen Botschafter-Ehepaares in Paraguay und angehender Biologe zugelegt – eine Hochstaplergeschichte also. Dabei geht Bob nicht besonders gewissenhaft vor: Abends schleppt er in der Disco eine Türkin ab und hat von nun an – schön, daß der deutsche Film wieder auf Ausländer-Stereotype zurückgreifen kann – ihre beiden Brüder (EyAlterichschwör: Dieter Landuris und Hasan Ali Mete, der Dr. Dagdelen aus der Lindenstraße) am Hals.

Doch eigentlich beginnt der Film erst richtig, als Bob im Bus Barbara trifft, frisch geschiedene Mutter dreier Kinder und außerdem gespielt von Martina Gedeck. Bei ihr findet er Unterschlupf auf der Flucht vor den beiden Türkenbrüdern und macht Karriere als Hausmann. Doch der Hochzeitstermin naht und Bobs privater Feuerlöscher, der Tankwart Theo (Tonio Arango) hat alle Hände voll zu tun, um seinem Freund aus dem ganzen Schlamassel herauszuhelfen …

Otto Alexander Jahreiss ist eine ziemlich mäßige Komödie gelungen, der Dialog bewegt sich von trocken bis flach, und die Hochstaplerkarriere von Bob ist kaum glaubwürdig. Daß Bob trotz ziemlich billiger Anmach-Sprüche Erfolg hat, liegt wohl am Charme seines Darstellers: Gregor Törzs schlägt sich tapfer durch alle noch so dümmlichen Situationen dieser Möchtegern-Casanova-Geschichte. Ihm zur Seite steht der größte Trumpf dieses Films: Martina Gedecks Barbara läßt mit ihrer Natürlichkeit jede Erinnerung an Katja Riemanns neurotische Mittdreißigerinnen verschwinden. Ansonsten sorgen Landuris und Mete mit ihren gelegentlichen »DuhastmeineSchwesterentehrt«-Auftritten für TV-kompatiblen Comedyhumor. Die Ausstattung feiert ein Festival des schlechten Geschmacks in bester/schlimmster deutscher Komödientradition, Hauptsache bunt, und der Aral-Konzern wird sich für ein großzügiges Product-Placement, das sogar im Logo des Films zu erkennen ist, bedanken: Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, Sitz des Krisenstabs und Schauplatz dramatischer Kämpfe ist nämlich Theos Tankstelle, wo die Helden zwischen eingeschweißten Hamburgern, Energy-Drinks und Gummibärchen im »Service-Center« auftanken. Alles super! 1970-01-01 01:00
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