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All die schönen Pferde

All the Pretty Horses. USA 2000. R: Billy Bob Thornton. B: Ted Tally. K: Barry Markowitz. S: Sally Menke. M: Marty Stuart. P: Miramax. D: Matt Damon, Henry Thomas, Penélope Cruz, Sam Shepard u.a.
116 Min. Columbia ab 12.7.01
Von Frank Brenner Cormac McCarthy erhielt für seinen 1992 erschienenen und in äußerst kurzer Zeit zu einem internationalen Bestseller avancierten Roman All die schönen Pferde mit dem National Book Award einen der wichtigsten amerikanischen Literaturpreise. Da verwundert es kaum, daß sich die Filmindustrie an den Erfolg anhängen möchte und sich des Stoffes annahm.

Doch was auf so viele Literaturverfilmungen zutrifft, bestätigt sich leider auch bei dieser, die der gefeierte Autorenfilmer Billy Bob Thornton verantwortet: Die Sprachgewalt des geschriebenen Wortes büßt in der Bebilderung ein. Etwas seltsam ist das in diesem Fall allerdings schon, da es doch ein Leichtes hätte sein müssen, eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen der Weite Mexikos für sich sprechen zu lassen. Aber weder die Schönheit der Natur noch ›all die schönen Pferde‹ werden von Thornton angemessen in Szene gesetzt. Sein Film besteht überwiegend aus Groß- und Naheinstellungen, was für einen Western, wozu der Film wohl im weitesten Sinne zu zählen ist, nicht nur sehr unüblich, sondern auch denkbar ungünstig ist. Von dieser Sonderheit einmal abgesehen, bewegt sich Thornton aber leider ausnahmslos auf den ausgetrampeltsten Genrepfaden. So versucht er mit bedeutungsschwangeren Off-Kommentaren und überbelichteten Rückblenden etwas von der Poesie und Mystik der Romanvorlage zu rekonstruieren, was jedoch viel zu willkürlich bleibt.

Der Regisseur läßt sich unendlich viel Zeit, um die Geschichte zweier junger Männer zu erzählen, die von Texas nach Mexiko emigrieren, um auf einer Pferderanch als Arbeiter unterzukommen. Ein halbwüchsiger Ausreißer und die von der reizenden Penélope Cruz verkörperte Tochter des Ranchers sind die beiden unberechenbaren Faktoren, die die Handlung beeinflussen. So kommen Elemente des Melodrams zu den breit gestreuten Westernstereotypen hinzu. Bei all dem belanglosen und kaum spannenden Geschehen vermißt man insbesondere eine klare Aussage in Drehbuch oder Inszenierung. Mehr als eine beliebige Bebilderung des Romans ist Thornton nämlich nicht gelungen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.
© 2012, Schnitt Online

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